Rolf Meier Reisen gehört zu Neuhausen wie der Rheinfall oder fast. Seit nunmehr 38 Jahren existiert das Reiseunternehmen im Schaffhauser Vorort. Und seit 25 Jahren ist Thomas Bolliger dabei, davon seit fast 24 Jahren als Inhaber.
Bolliger blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Seit seinen Anfängen setzt Rolf Meier Reisen auf die vier Tour-Operating-Standbeine Irland, Kanalinseln, Zypern und Malta und ist in diesen Bereichen marktführend oder zumindest unter den Topanbietern in der Schweiz; eine Änderung ist nicht abzusehen. In der hohen Spezialisierung und dem langjährigen treuen Kundenstamm hat Rolf Meier Reisen seine Stärken. Ausserdem habe man die gröbsten Probleme bereits hinter sich, wie Thomas Bolliger erklärt: «Wir haben die Konkurrenz des Internets gewissermassen hinter uns. Wir haben uns damit abgefunden, dass beispielsweise Städtereisen nach Dublin grösstenteils selber online gebucht werden. Das hat uns gezwungen, noch mehr und noch bessere Nischenprodukte zu finden, also unser Angebot zu perfektionieren. Wir kreieren immer neue spannende Packages, folgen den wichtigsten Trends, bieten möglichst massgeschneiderte Angebote. So hat sich unser Geschäft auf einem stabilen Niveau eingependelt.» Zurzeit liegt das Umsatzverhältnis zwischen Tour Operating und Retailing bei etwa 60:40. Laut Bolliger ist vor allem das Retailing im Wachstum begriffen; per April liege man im Vergleich zum Vorjahr um über 10% im Plus. Gut verkauft werden nebst den eigenen Produkten 20% des TO-Umsatzes werden durch Verkäufe der eigenen Retailing-Abteilung generiert auch zahlreiche weitere Destinationen wie etwa die USA oder Spanien. Weitere 10% des Retail-Umsatzes werden mit Geschäftsreisen generiert; zum Kundenstamm gehören hier zahlreiche KMU und einige grössere Unternehmen aus der Region.
Auch beim Tour operating liegt Rolf Meier Reisen über Vorjahr bzw. im Budget; allerdings ist nach einem fulminanten Start die Nachfrage zuletzt deutlich gesunken. Ausser einer «allgemeinen Reise-Unlust» sieht Bolliger keine klaren Gründe, wobei er einräumt, dass die Geschehnisse in Tunesien und Libyen die Malta-Nachfrage negativ beeinflussen. Grundsätzlich ist Bolliger aber mit der Entwicklung zufrieden; vor allem die Kanalinseln hätten in den letzten Jahren enorm zugelegt und auch Zypern sei erfreulich, auch wenn die Zahlen von Ende der 90er- Jahre «nie mehr erreicht werden».
Für die Zukunft macht sich Bolliger jedenfalls keine Sorgen. Er verfügt über ein schlagkräftiges Team von zwölf Personen (davon drei Lehrlinge), wovon vier (+ ein Lehrling) im Tour Operating arbeiten und der Rest im Retailing bzw. in der Buchhaltung. Dieses Team sorgt dafür, dass Rolf Meier Reisen in seinen «TO-Nischen» nah am Markt bleibt und im eigenen Reisebüro die lokale, nationale und internationale (Grenzgänger!) Kundschaft optimal betreut. Trotz dem Umstand, dass Rolf Meier Reisen inzwischen etwas kleinere Umsatz-Brötchen als noch vor fünf Jahren backt, stimme die Rentabilität.
Letztlich hat Bolliger auch seine Nachfolge schon vor über drei Jahren geregelt, indem vereinbart wurde, dass Christian Sigg (Chef Retailing) und Walter Fink (Manager Tour Operating) sukzessive das Unternehmen übernehmen. Zurzeit halten die beiden je 10%, weitere 10% hält Daniel Rieser (Chef der RVS Rechnungs-, Verwaltungs- und Service AG, an welcher Rolf Meier Reisen ebenfalls 10% hält); der Rest liegt bei Bolliger. Der nächste Schritt erfolgt im Herbst 2012, wenn Sigg und Fink ihre Anteile auf je 19% schrauben, d.h. Bolliger 18% verkauft. Bolliger wird die Mehrheit aber noch bis mindestens 2018 halten, wie auch seine Beteiligungen an den TTS-Partnern Tourasia (17%), Lets go (10%) und BSR Reisen (30%). So ist ein sanfter Übergang bzw. kontinuierlicher Aufbau der künftigen Geschäftsführer gewährleistet.
Jean-Claude Raemy



