Bei der Airline-Allianz Oneworld hat sich zuletzt einiges bewegt. Durch die Antitrust Immunity, welche American Airlines (AA) und British Airways (BA) im Frühling 2010 erlangten, konnte ein wesentlicher Schritt erzielt werden. In jüngster Zeit hat sich Oneworld denn auch auf die Vertiefung der Kooperationen unterhalb der Allianz-Mitglieder konzentriert.
Mairead Ryan ist seit drei Jahren Regional Development Manager Europe von Oneworld mit Sitz in Amsterdam, wohin sie vor neun Jahren als Mitarbeiterin von British Airways stiess. Ihre Aufgabe, an welcher sie mit Hochdruck arbeitet, lautet, den Marktanteil von Oneworld und ihren Mitgliedsfluggesellschaften weiter zu steigern und dabei mit den Verkaufs-teams der Airlines eng zusammenzuarbeiten. Bei einem Besuch in Zürich erklärt die gebürtige Irin, dass Oneworld sich vor allem als «Qualitäts-Allianz» positionieren will und deshalb bei der Aufnahme neuer Mitglieder ein besonderes Augenmerk auf Qualität, Netzwerk und Sicherheitsaspekte legt.
In Kürze erfolgt mit der Aufnahme von Air Berlin (AB) ein wichtiger Meilenstein für Oneworld. Damit verbessert sich die Abdeckung in und ab Zentraleuropa schlagartig. Dass die allianzlose Etihad mit 29,2% bei AB eingestiegen ist, sei kein Problem: «Die Airlines können natürlich unabhängig von Oneworld ihre eigenen wirtschaftlichen Ziele verfolgen. Das ist auch bei anderen Oneworld-Mitgliedern so, etwa als Cathay Pacific ihren Anteil am Star-Alliance-Mitglied Air China erhöhte.» Von offizieller Seite hat Oneworld keinerlei Bedenken in Bezug auf den Oneworld-Eintritt von AB aufgeworfen.
Frei entscheiden müssen auch LAN (Oneworld) und TAM (Star Alliance), welche am fusionieren sind. Laut Ryan haben sowohl Oneworld als auch Star Alliance Vorschläge formuliert; der Entscheid der neuen Airline ist noch ausstehend.
Ryans Augenmerk gilt folglich eher der weiteren Entwicklung wichtiger Tools wie des KMU-Produkts «BusinessFlyer» oder eines Round-the-World- Online-Buchungstools, welches Oneworld als erste Allianz anbot. «Wir sind sehr innovativ im Bereich der allianz-weiten Tarifprodukte und versuchen stets, nützliche Produkte für die Kunden unserer Mitglieds-Airlines zu finden», erklärt Ryan und stellt neue «spannende Verkaufsprodukte» in Aussicht. Wichtig sei vorerst, die Brands der Mitglieds-Airlines weiter zu stärken und Oneworld als Katalysator für die positive Entwicklung der Mitglieder zu positionieren.
Dass AA infolge des Gangs unter Gläubigerschutz ein Problem werden könnte, ist eher unwahrscheinlich, schliesslich waren die Amerikaner Gründungsmitglieder von Oneworld und sind sehr gut darin integriert. Ryan will sich dazu verständlicherweise nicht gross äussern und verweist lieber darauf, dass mit der indischen King-fisher und mit Malaysia Airlines im Verlaufe dieses Jahres zwei weitere Airlines zu Oneworld stossen werden: «In diesem Zusammenhang sind vor allem die strategischen und taktischen Marketinginitiativen in unseren europäischen Märkten wichtig, damit wir neues Geschäft gewinnen können.»
Jean-Claude Raemy



