Seit April 2011 gibt es einen neuen Giganten im Abenteuerreisesektor: TUI Travel und Intrepid Travel haben im Rahmen eines Joint Venture eine neue Gesellschaft namens «Peak Adventure Travel» gegründet, in welche sie ihr Portfolio von total 24 Abenteuerreise-marken eingebracht haben. TUI hält an der neuen Gesellschaft 60%, Intrepid 40%. Sitz der Gesellschaft ist der aktuelle Intrepid-Hauptsitz Melbourne, wo Darrell Wade (CEO Intrepid) und Geoff Manchester (Managing Director Intrepid) gemeinsam die Geschicke von Peak Adventure verantworten. TUI und Intrepid verfügen je über drei Sitze im Verwaltungsrat; VR-Vorsitzender ist John Wimbleton (TUI).
Mit dem strategischen Joint Venture will TUI Travel im Spezialreisesegment weiter wachsen, in welchem bes-sere Margen als im herkömmlichen Pauschalreisegeschäft erzielt werden. Für Intrepid bietet die Anlehnung an das weltgrösste Reiseunternehmen natürlich eine grosse Chance, stark zu expandieren.
Zuerst geht es nun darum, das Markenportfolio sauber zu verwalten. Matthew Berna, bisher Direktor Int-repid-Suntrek in Santa Rosa (USA) und neu Direktor Peak DMC North America, erklärt hierzu: «Es wird keine Konsolidierung geben. Es ist geplant, die Identität und Philosophie jeder einzelnen Marke zu erhalten. Lokal werden die Unternehmen weiterhin in Konkurrenz zueinander stehen; global sollen wir als ein Team agieren.»
Die 24 Marken unter der Dachstruktur Peak (was übrigens ein Kürzel für «Passion, Ex-cellence, Adventure, Know-ledge» ist) sind: Adven-ture Center, Adven-ture Tours Australia, Chameleon Worldwide, Coun-try Walkers, Dragoman, Exodus, Geckos, Guerba, Head-water, Imaginative Tra-veller, Intrepid, Intrepid Connections, My Adventure Store, Oz Experience, Pe-regrine, Pinnacle Tours, Planet Perth Tours, Sawadee, Suntrek, The Adven-ture Company, Trek America, Urban Ad-ventures und Western Exposure.
Konkret sollen zunächst die Buchungssysteme und Back Offices global harmonisiert werden, was wichtig für die Kosteneffizienz sei. Global sollen rund USD 1 Mio. dank Kostensenkungen und Margenverbesserungen eingespart werden, welche sich aus dem Joint Venture ergeben. Das Contracting dürfte ebenfalls zentral durch die operative Einheit zugunsten sämt-licher Brands gemacht werden. Allerdings sind Komplikationen vorprogrammiert, da ja die einzelnen Marken untereinander auch weiterhin Konkurrenten sind.
Schaut man näher aufs Markenportfolio, fällt es ohnehin schwer zu glauben, dass langfristig an allen Marken festgehalten wird. Da wären in den USA etwa die langjährigen Konkurrenten Suntrek und Trek America, welche nun plötzlich unter demselben Dach vereint sind. Oder Dragoman und Guerba, welche im britischen Markt sehr nahe beieinanderliegen. Berna verneint dies klar, gibt aber zu, dass zumindest im operativen Bereich, bei den DMCs, einige Änderungen erfolgen werden.
Schliesslich ist es Intrepid gewohnt, eigene, sprich vertikal in-tegrierte operative Organisationen vor Ort zu haben. «Zahlreiche kleine Incoming-Agenturen, welche bisher für die einzelnen Marken arbeiteten, werden demnächst durch Peak-eigene Strukturen ersetzt», erklärt Berna, und fügt an:
«Es wird versucht, wo nötig zahlreiche dieser lokalen Arbeitskräfte in die jeweils neuen Gesellschaften aufzunehmen.»
Die Zielsetzung von Peak ist jedenfalls klar: Man will dank der «Multi-channel & Multi-brand»-Strategie -klarer globaler Leader im Abenteuerreisesektor sein einem Markt, welcher laut Darrell Wade in den nächsten Jahren noch stark wachsen wird. Peak werde zudem nicht nur die Marken verwalten, sondern aktiv neue Rundreisen und Produkte lancieren.
Sollte Peak den Markenspagat schaffen und erfolgreich sein, könnte das Joint Venture dereinst lukrativ für beide Anteilseigner sein. Darrell Wade meinte nämlich vor Kurzem, er habe vor seiner Pensionierung noch ein Berufsziel, nämlich, einmal eine Firma an die Börse zu führen
Jean-Claude Raemy, – San Francisco
Gemeinsam 340 000 Kunden und CHF 350 Mio. Umsatz
Intrepid Travel wurde 1989 in Melbourne (Australien) gegründet und hat sich rasch als einer der globalen Leader im Abenteuerreisesegment etabliert. Intrepid setzt auf vertikale Integration, das heisst, dass die operativen Strukturen in den Zielgebieten stets in eigener Hand sind. Um in den USA Fuss zu fassen, wurde deshalb etwa die vom Schweizer Daniel Hiltebrand gegründete Suntrek übernommen und zur Intrepid-Suntrek gemacht, wodurch letztlich Intrepid als Marke auch in der Schweiz bekannt wurde.
Heute befördert Intrepid weltweit über 100000 Passagiere und bietet über
1000 Tourenangebote an. Verkaufsbüros gibt es in Australien, Neuseeland, Gross-britannien, Deutschland, den USA und Kanada; «Operations Offices» gibt es in
20 -Ländern auf fünf -Kontinenten.
Bei Intrepid sind derzeit rund 1000 Personen angestellt. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Nischenanbieter einen Vor-steuer-gewinn von umgerechnet CHF 7,25 Mio. bei Umsätzen von fast CHF 95 Mio.
Das Abenteuerreisegeschäft von TUI Travel hat mehr als 240 000 Kunden pro Jahr und erzielte zuletzt ein Vorsteuerergebnis von umgerechnet CHF 9,3 Mio. bei -Einnahmen von CHF 253,6 Mio.
JCR



