«Please leave now!» (Ausgabe 2008-15)

Beat Eichenberger, Chefredaktor «travel manager»

Die Show ging tüchtig in die Hose: Um den Open-Skies-Stichtag per Ende
März zu parieren, drängte British Airways ultimativ auf die
gleichzeitige Eröffnung ihres neuen Terminal 5 am Londoner Airport
Heathrow – trotz eindringlicher vorgängiger Warnungen der
Gewerkschaften, das Personal sei noch nicht genügend auf die neuen Anlagen geschult.

Das katastrophale Resultat mit bisher Hunderten von Flug-Annullationen
und Zehntausenden von verlorenen Gepäckstücken ist seither ständig ein
Thema in den Medien. Und inzwischen hat auch eine Gruppe von Schweizer
Reiseprofis, auf der Rückreise von einem Studientrip, einiges zu
erzählen. Denn am letzten Sonntag ging der Terminal 5 nach einem kurzen
morgendlichen Schneesturm über London erneut in die Knie wie nach einem
klassischen K.O.-Schlag. Insgesamt 126 Flüge wurden gestrichen,
Tausende Passagiere strandeten – und wurden von British Airways
kläglich im Stich gelassen: Auch nach tagelangem Chaos war die Airline
nicht in der Lage, adäquat mit Service, Personal und Support auf die
Krise zu reagieren. Kein Wunder, war der T5 tags darauf erneut
Frontthema der Londoner Presse: Von nationaler Schande war die Rede,
von Arroganz und Ignoranz der BA-Verantwortlichen, welche das Chaos zu
verantworten haben.

Und die Schweizer Gruppe? Als der Flug nach Zürich nach stundenlangem
Warten, Bangen und letztem Hoffen am Gate gegen halb elf Uhr nachts
doch noch gecancelled wurde, schlossen kurz darauf die Schalter des
Customer Service: Umbuchungen seien nur noch über Website oder Call
Center möglich, wurde per Infoblatt mitgeteilt. Und: «We kindly ask you
to leave the airport now.» Reagierte jemand etwas laut, wurde ihm
gleich mit der Polizei gedroht.

Also: Mitternächtliche Hotelsuche in einem von Tausenden von
BA-«Kunden» überschwemmten London und Organisieren eines Transfers nach
Downtown. Am nächsten Morgen war allen potenziellen Heimkehrern klar:
Sich nochmals auf das Glücksspiel in Heathrow einzulassen, kommt nicht
in Frage – die Gruppe buchte einen Swiss-Flug ab dem City Airport, um
fast 20 Stunden später als vorgesehen wieder Schweizer Boden zu küssen.

Ach ja, übrigens: Der neue Terminal 5 präsentiert sich tatsächlich als
architektonisch gelungenes und imposantes Wunderwerk. Doch eigentlich
wollten wir nur nach Hause fliegen.