Es herrscht Krise, und in der Krise wird der Gürtel enger geschnallt.
Auch TUI Suisse macht sich schlanker. Im Veranstalterbereich führt CEO
Martin Wittwer künftig nur noch zwei Strategische Geschäftseinheiten:
Pauschaltouristik und Individualtouristik. Der Bereich
Direct Tours geht in der erstgenannten auf.
Das ist die logische Konsequenz der Multi-Channel-Strategie, welche TUI
Suisse verfolgt. «Wir bieten jedes Produkt in jedem Kanal an», wird
Wittwer nicht müde zu betonen. Eine produktionstechnische Trennung nach
Direktmarke und Retailmarke wird damit obsolet. Insofern ist die
Schaffung der Geschäftseinheit Pauschaltouristik deutlich weniger
überraschend als die Besetzung ihrer Spitze mit Roberto Luna. Sie
zeigt, dass TUI Suisse noch nicht am Multi-Channel-Ziel angelangt ist.
Einleuchtend auch der Relaunch von Vögele Reisen. Da gerade Vögele
Reisen als Direktanbieter überraschend stark unter der wirtschaftlich
bedingten Konsumunlust zu leiden scheint, tat Veränderung not. Zur
Erinnerung: Bei Vögele Reisen wurde bereits im Mai 2009 Kurzarbeit
eingeführt. Mit einem frischeren Auftritt und der Verankerung des
Onlinekanals im Logo («vögelereisen.ch») will man gezielt eine jüngere
Kundschaft ansprechen, die vielleicht lieber per Internet als am
Telefon bucht. Denn eine Repeaterquote von 60 Prozent (im
Rundreise-Segment; Eigenangabe von TUI Suisse) mag zwar eindrücklich
sein, aber nutzlos, wenn keine Neukundschaft gewonnen werden kann.
Knifflig dürfte für Roberto Luna die Differenzierung der einzelnen
Pauschalreisemarken werden. Einerseits soll jede der Marken ihr
eigenes, scharfes Profil haben auch das übrigens ein Ziel des
Vögele-Relaunchs. Andererseits hat die engere Zusammenarbeit innerhalb
der neu geschaffenen Geschäftseinheit zum Ziel, Produkte
markenübergreifend zu platzieren, um den grösstmöglichen Ertrag zu
erwirtschaften. Je nach Verkaufs- und Abflugsdatum wird ein Produkt
unter unterschiedlicher Marke angeboten. Eine Definition des Brands
über die Produkte wird damit praktisch unmöglich.
Ganz nebenbei dürfte die Struktur noch zur Einsparung von einigen
Stellenprozenten führen. Einerseits werden Produktionskosten gesenkt
einmal produziert, braucht man dem Objekt nur noch verschiedene
Markenkappen aufzusetzen , andererseits können im Marketing vermehrt
Synergien genutzt werden.



