Qantas: Grosse Zuversicht trotz Gewinneinbruch (Ausgabe 2010-11)

Die Flottenexpansion, insbesondere mit dem A380, sorgt für positive Stimmung bei den Australiern.

Am 18. Februar präsentierte die australische Qantas ihre
Halbjahreszahlen für das am 31. Dezember zu Ende gegangene Semester.
Der Gewinn vor Steuern betrug AUD 90 Mio. (CHF 87,2 Mio.). Dies
entspricht zwar einem Gewinnrückgang von 72% gegenüber dem
Vergleichszeitraum des Vorjahres, doch Qantas-CEO Alan Joyce sah keinen
Grund zur Besorgnis: «Während die globale Luftfahrtindustrie hohe
Verluste schrieb, ist Qantas immerhin in soliden schwarzen Zahlen.»

Joyce sieht die Zweimarkenstrategie mit Qantas als Full-Service-Airline
und Jetstar als Low-Cost-Alternative als Hauptgrund für das
vergleichsweise gute Ergebnis. Ebenfalls haben die im August 2009
eingeleiteten Kostensenkungsmassnahmen im Rahmen des
Dreijahresprogramms «Q Future» Früchte getragen.

Joyce wischte einzelne Kommentare, wonach die Zahlen enttäuschend
seien, vom Tisch: «Dank Q Future haben wir signifikante Einsparungen
erzielt, und wir gehen davon aus, für das Gesamtjahr 2009/10 das Ziel
von AUD 500 Mio. Gewinn zu erreichen.»

Positiv wirken sich um 38% tiefere Treibstoffkosten sowie um 11%
tiefere operative Kosten aus. Negativ ist im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum aber der Yield, welcher aufgrund schwacher nationaler
und internationaler Nachfrage sowie tieferer Fuel-Zuschläge um 14,9%
sank. Das Ergebnis belastet haben auch AUD 48 Mio. aus
Flugzeug-Abschreibungen.

Zuversicht herrscht bei Qantas dennoch, und die Airline hat ein volles
Flugzeugbestellungs-Büchlein: In den nächsten zehn Jahren sollen 160
neue Flugzeuge angeschafft werden! Im letzten halben Jahr allein
stiessen 13 neue Maschinen zur Flotte: zwei A380, ein A330, drei
B737-800, zwei A320 und fünf Q400.

Für grosses Interesse sorgt nach wie vor der A380, mit welchem bislang
über 550000 Qantas-Passagiere geflogen sind. Inzwischen hat Qantas
sechs davon in Betrieb. Auf der Strecke Melbourne–Singapur–London kommt
seit dem 19. Januar ein A380 zum Einsatz. Laut Felix Werner, Chef von
Qantas Schweiz, werden MEL–LHR ab März zwei Mal pro Woche und SYD–LHR
fünf Mal pro Woche bedient. Es ist geplant, dass der A380 täglich ab
Sydney nach London fliegen wird – laut Felix Werner «ab Lieferung des
7. oder 8. A380». Mit den aktuellen Flügen gibt es jedenfalls bereits
ab März eine tägliche Verbindung London–Australien; und beide Flüge
werden über Singapur geführt. Bis auf Weiteres hat es aber nie zwei
A380 von Qantas gleichzeitig in London.

Jean-Claude Raemy

First wird beibehalten – aber nur teilweise

Der A380 verfügt bei Qantas nur über 450 Sitze, was im Verhältnis zu
anderen Airlines viel weniger ist. Die First Class wird aber infolge
schwacher Nachfrage reduziert.
Qantas wird im Rahmen eines AUD 400-Mio.-Investitionsprogramms neun
Boeing B747-400 mit A380-Produkten (Business-Skybed, neue Sitze, neues
Bordunterhaltungsprogramm) ausstatten und die A380-Flotte neu
konfigurieren. Die First-Class-Kabinen in den B747 werden durch
Business-Class-Sitze ersetzt. Die Drei-Klassen-Konfiguration wird,
aufgestockt mit 52 Sitzen, über 359 Plätze verfügen: 58 in Business, 36
in Premium Economy sowie 265 in Economy.
Zwölf A380 fliegen weiterhin in der Vier-Klassen-Konfiguration. Die
ausstehenden acht A380 werden ab 2012 in Drei-Klassen-Konfiguration,
ohne First Class, ausgeliefert.   

JCR