Rob Gurney, General Manager Sales & Distribution der Qantas Group,
war an der ATE in Perth kategorisch: «Das Fluggeschäft erfährt derzeit
fundamentale Veränderungen. Hohe Treibstoffpreise und schwächere
Konjunktur in Schlüsselmärkten führen weltweit zu Kapazitätsabbau.
Qantas als Airline, welche speziell auf Langstreckenflüge angewiesen
ist, kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen.»
Qantas muss unter anderem mit zusätzlichen Treibstoffkosten für das ganze Jahr in der Höhe von rund AUD 2 Mia. fertig werden.
Die Massnahmen: Eine B-737 wurde ganz aus dem Verkehr gezogen, zwei
B-767 und ein A320 (von der Low-Cost-Tochtergesellschaft Jetstar)
wurden gegroundet, die Auslieferung einer A320 (von Jetstar) wurde
verzögert und diverse Routen wurden gestrichen vorab von/nach Japan,
aber auch innerhalb Australiens. Einige Routen werden deshalb neu von
Jetstar statt Qantas bedient. Ausserdem sollen die B-747-400 schneller
aus dem Verkehr gezogen und bis dahin reduziert eingesetzt werden.
Bereits per Ende 2008 werden im transkontinentalen Verkehr nach Perth
nur noch A330 statt B-747 eingesetzt.
Weitere Sparmassnahmen sind die Einfrierung der Löhne des
Topmanagements bis auf Weiteraes, weitere Verhandlungen mit den
Gewerkschaften in Sachen Arbeitszeit, Lohn und Personalanzahl sowie
Aktionen auf der Ertragsseite: «Die Preise werden steigen!», versichert
Gurney. Im Juni erhöhte Qantas die Preise im Schnitt bereits um 4%;
laut Gurney sind je nach Strecke bis zu 20% möglich.
So schlimm wie bei einigen US-Airlines ist die Lage bei Qantas
allerdings noch lange nicht. Ab dem 20. Oktober werden endlich die
ersten Airbus A380 eingesetzt, auf den Routen ab Sydney und Melbourne
in die USA (Los Angeles), welche zu den profitabelsten der Welt gehören
die Tickets sind seit einigen Wochen im Verkauf. Qantas hat nicht
zuletzt dank dem A380 auch künftig den Löwenanteil auf diesen
profitablen Routen, obwohl Konkurrent Virgin Blue mit der neuen Tochter
V Australia ab dem 15. Dezember und dank dem Open Skies zwischen
Australien und den USA genau in diesen Markt (Flug SydneyL.A.)
einsteigen wird.
Dazu wird eine im Vertrag festgesetzte Strafsumme von Airbus an Qantas
bezahlt werden müssen, wegen der verspäteten Auslieferung der
Flugzeuge. Dasselbe gilt für die bestellten Boeing B-787-Dreamliner,
welche ab 2009 ausgeliefert werden. Qantas fliegt also zurzeit mit
etwas veraltetem Fluggerät umher, doch sind baldige Besserung und
finanzielle Kompensation in Sicht.
So bemüht sich Qantas derzeit, die positiven Aspekte hervorzuheben.
Wenn der A380 ab 2009 dann auch Europa (London) anfliegt, dürfte die
Hype enorm sein, ebenso wie der Run auf die 450 Sitze im Angebot. Das
Inflight-Produkt ist auf dem neusten Stand, und Qantas ist auch im
Bereich Umweltverträglichkeit an vorderster Front dabei, ebenso wie die
profitable Jetstar.
Auf die Frage, ob es dereinst mehr Verbindungen nach Deutschland geben
wird, antwortet Gurney: «Das war auf unserer Traktandenliste, doch
jetzt müssen wir zunächst mit der Ölproblematik fertig werden und
unseren Marktanteil von 30% am Australien-Fluggeschäft verteidigen.»
Qantas ist es zuzutrauen, diese Herausforderung gut zu meistern. Als
allerletzter Notfall wäre ja noch die Abstossung einzelner
Geschäftszweige Frequent Flyers, Fracht, Engineering, Catering oder
Ground Service denkbar.
Jean-Claude Raemy



