Qatar Airways: Folgt auf Dreamliner in Zürich das Double Daily in Genf? (Ausgabe 2013-33)

Seit Januar 2013 ist Morena Bronzetti Chefin der Qatar Airways (QR) in der Schweiz. Sie spricht mit TI über die Vergangenheit und die Zukunft des arabischen Carriers.

Frau Bronzetti, wie hat sich Qatar Airways in der Schweiz in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Wir sind im 2004 in Zürich mit zunächst vier wöchentlichen Verbindungen gestartet. Später wurde die Frequenz auf tägliche Flüge erhöht und mit einem A330 bedient. Aktuell bedienen wir die Strecke mit unserem Flaggschiff, der Boeing 787 Dreamliner. In Genf starteten wir im 2007 in Kombination mit New York mit einem Airbus A330. Mit der Aufnahme des Nonstop-Fluges Doha-New York wurde die Verbindung via Genf jedoch überflüssig und es kommt auf der Strecke in die Westschweiz ein A320 zum Einsatz. Die Kabine ist jedoch angepasst und speziell für die Langstrecke ausgelegt und somit nicht mit anderen Flugzeugen dieses Typs, wie man sie aus dem Europaverkehr kennt, ver-gleichbar.

Sie sind im Januar 2013 als Italien- und Schweiz-Chefin nach Zürich umgezogen. Weshalb?

Als bisherige Country Managerin für Italien wurde mir die Betreuung des Schweizer Marktes zusätzlich übertragen. Für mich war es ein persönliches Anliegen, nach Zürich umzusiedeln, um die Besonderheiten des Schweizer Marktes besser kennenzulernen und da ich von seinem Potenzial überzeugt bin. 

Und wie waren die ersten Monate? 

Die erste Jahreshälfte war herausfordernd. Kurz nach meinem Start in der Schweiz und der Markteinführung des Dreamliners auf der Strecke nach Zürich wurden wir von dem weltweiten Grounding wie andere Dreamliner-Kunden überrascht. Das hat zu einigen Schwierigkeiten geführt, denn Qatar Airways fehlten schlichtweg die Flugzeuge. 

Als Folge davon konnten gewisse neue Strecken erst später aufgenommen werden und Frequenzen mussten teilweise reduziert werden. Der Dreamliner wurde von den Schweizern mit Enthusiasmus begrüsst und sicherlich gab es aufgrund des Flugtypwechsels vereinzelt Enttäuschungen. Ich bin jedoch sehr froh, dass wir diese Phase hinter uns lassen konnten und seit 1. Juni den Dreamliner wieder täglich ab Zürich anbieten.

QR brachte bereits ihre vierte 787 nach Zürich. Weshalb geniesst die Schweiz eine solche Priorität?

Die Schweiz ist zwar ein kleines Land, aber die Leute reisen viel und legen sehr viel Wert auf Qualität. Wir wollten mit dem Einsatz der Boeing 787 Dreamliner den hohen Ansprüchen der Schweizer Kunden bestmöglich entsprechen. Und die Entscheidung war richtig, die Schweizer Passagiere lieben den Dreamliner. Die Boeing 787 bietet deutlich grössere Fenster, ein grosszügigeres Design, mehr Sauerstoff in der Kabine und ein neuartiges Beleuchtungssystem. In der neuen Business Class mit 1-2-1-Bestuhlung erhalten die Kunden zudem direkten Zugang zum Gang und ein komplett flaches Bett.

Genf wird heute noch mit einem A320 bedient. Stehen diesbezüglich ebenfalls Veränderungen an?

Wir haben eine grosse Nachfrage aus der Romandie und sicherlich würde uns mehr Kapazität auf diesem Markt die Arbeit vereinfachen. Als Alternative zu einem grösseren Flugzeug prüfen wir auch die Möglichkeit, zwei tägliche Flüge ab Genf und damit mehr Verbindungen für Firmenkunden anbieten zu können. Voraussichtlich erhalten wir zudem Anfang 2014 einen A320P, der in der Business Class mit topmodernen Lie Flat-Sitzen ausgerüstet ist.

Welches sind die wichtigsten QR-Ziele aus der Schweiz?

Im Leisure-Bereich ist Thailand klar die Nummer eins. Länder wie Vietnam, Myanmar, Indonesien oder die Malediven werden ebenfalls immer stärker nachgefragt. Die Schweizer sind ausserdem sehr offen für Neues. Beispielsweise starteten wir mit Flügen nach Kambodscha und hatten sogleich zahlreiche Buchungen aus diesem Markt. 

Für Geschäftsreisende ist sicherlich Doha die wichtigste Destination, neben Zielen im Mittleren Osten, China und Singapur. Die meisten der Schweizer Fluggäste nützen Doha als Umsteigeflughafen. Für nur etwa 15 bis 20% der Passagiere endet die Reise in Doha. 

Qatar Airways nimmt im Schnitt alle zwölf Tage eine neue Maschine in die Flotte auf. Wann hat QR ihre finale Grösse erreicht?

Unser CEO steckt die Ziele kontinuierlich höher. Unser ursprüngliches Ziel der Konsolidierung in 2014 wurde zugunsten eines weiteren Wachstumsziels aufgehoben. Wir fliegen heute mit 128 Flugzeugen zu 127 Destinationen und es kommen stetig neue Flugzeuge und Flugziele hinzu. Alleine dieses Jahr haben wir bereits sechs neue Verbindungen aufgenommen. Bis zum Jahr 2015 soll unsere Flotte auf 170 Flugzeuge und 170 Destinationen aufgestockt sein.

Die neuen Flugzeuge dienen aber auch der Flottenerneuerung, denn das Durchschnittsalter liegt bei vier Jahren – Tendenz sinkend. 

In welchen Regionen liegt der Fokus von Qatar Airways?

Unsere Strategie ist es, unsere Präsenz auf bestehenden Strecken auszubauen und neue Routen mit Potenzial aufzunehmen. Europa war vor Kurzem sicherlich im Zentrum der Entwicklung mit Aufnahme weiterer Ziele in Ost- und Südeuropa. 

Ein Fokus liegt vor allem auch auf Wachstumsmärkten wie China und Indien. In China werden wir in Kürze mit Chengdu das sechste Ziel anfliegen und nach Indien bieten wir mit zwölf Destinationen ein umfangreiches Angebot. Als weiterer Wachstumsmarkt gilt für uns Afrika, wo wir letztes Jahr Verbindungen nach Kigali und Kilimandscharo aufgenommen haben und demnächst nach Addis Abeba anbieten werden.

Simon Benz