«2010 war ein spezielles Jahr aber eigentlich ist inzwischen jedes Jahr ein spezielles Jahr», sagte Werner Schindler, Geschäftsführer der Railtour Suisse SA, letzte Woche anlässlich des Agenten-Workshops von Railtour und Frantour. Er meinte damit, dass die Kunden erneut preissensibler wurden und sich noch besser im Internet über Preise und Leistungen informierten. «Das wird sich nicht mehr ändern der Kunde will maximale Leistung bei sinkender Marge», so Schindler.
Mit dem Verlauf des vergangenen Jahres zeigt sich Schindler trotzdem zufrieden, auch wenn noch keine Zahlen bekannt gegeben werden. «Insbesondere die Angebote auf den Flyern, die an den Bahnhöfen aufliegen, liefen ausgezeichnet.»
Für 2011 zeigt sich Schindler äusserst zuversichtlich. «Die Konsumentenstimmung ist zurzeit sehr gut. In den Destinationen Frankreich, Deutschland und Österreich erwarten wir zweistellige Wachstumszahlen», sagt Schindler. Steigen würden voraussichtlich auch Bahnspezialreisen. Zudem wird 2011 laut Schindler ein Gruppenjahr: «Mit 90-prozentiger Sicherheit wird jedes zweite Jahr ein Gruppenjahr ein Zyklus, den sich niemand so richtig erklären kann.»
Auch im Städtereisen-Segment erwartet der Veranstalter deutlich mehr Kunden. Der Trend, dass gerade im Bereich Städtereisen der Kunde immer häufiger direkt übers Internet bucht, ist gemäss Schindler bei den Bahnreisen noch nicht so stark feststellbar wie bei den Flug-Städtereisen. «Grund dafür ist, dass internationale Bahnreisen schwieriger zu buchen sind als Flüge. Während die Flugbranche schon in den 60er-Jahren IT-Standards festgesetzt hat, hat bei den Bahnen immer noch jedes Land sein eigenes Tarifsystem. Das Selbstvertrauen der Kunden, eine Bahnreise selbst zu buchen, ist noch nicht so hoch wie bei den Flügen.»
Um einen Mehrwert zur Direktbuchung via Internet bieten zu können, setzen Railtour und Frantour zudem immer stärker auf Zusatzleistungen, die ansonsten schwierig zu finden sind etwa eine Eintrittskarte zum Eiffelturm ohne Schlangestehen.
Der wichtigste Punkt ist aber, dass Railtour und Frantour die Preise für 2011 um zehn bis 20 Prozent gesenkt hat; für Paris beispielsweise beträgt die durchschnittliche Senkung rund 20 Prozent. Trotz des instabilen Eurokurses will der Veranstalter weiterhin Preise in den Katalogen ausschreiben und auf tagesaktuelle Preise verzichten. «Davor haben wir zu viel Respekt. Gerade die Kundschaft an den Bahnhöfen ist eher konservativer eingestellt und ist sich fixe Preise gewöhnt», erklärt Schindler.
Die tieferen Preise werden nicht nur dank dem schwachen Euro ermöglicht, sondern auch durch eine Reduktion der Prozesskosten und der Entflechtung der Marken Railtour und Frantour. «Letzteres ist auch ein Input unserer Agenten, die die Doppelpublikationen als verwirrend einstuften», sagt Christine Ruph, Mitglied der Geschäftsleitung. Railtour wird positioniert als Bahn- und Städtereisenspezialist mit Schwerpunkt auf Deutschland, Österreich und die Schweiz; Frantour deckt Paris und ganz Frankreich inklusive Korsika ab. Die Katalogpalette wird gestrafft, gemäss Werner Schindler lautet das Motto «weniger Kataloge bei gleichem Angebot».
Stefan Jäggi



