Selbstverständlich ist es nicht, dass der SRV nach 2007 zum zweiten Mal
eine Imagekampagne schalten kann, war die Fortführung im Vorfeld der
SRV-GV 2007 in Kairo doch nicht unumstritten. TI wollte wissen,
wie die Imagewerbung 2008 bisher beurteilt wird.
Walter Kunz (Geschäftsführer SRV):
«Ich wurde schon einige Male auf die Kampagne angesprochen. Direktes
Feedback von Endkunden- oder Reisebüroseite erwarte ich bei einer
Imagekampagne nicht. Wir werden im Mai Bilanz ziehen und dann das
weitere Vorgehen entscheiden sprich, ob es noch eine dritte
Werbekampagne geben wird. Dazu könnten wir eine Mitgliederumfrage im
Hinblick auf die GV starten oder aber, wie gehabt, eine
Vorstandsempfehlung auf die GV hin ausgeben.
Das grösste Feedback bekamen wir bisher auf unseren Ausschluss von
Swiss/Lufthansa aus der Kampagne. Es war einfach nicht möglich, die im
Leistungskatalog der Prioritätspartner enthaltenen Dienstleistungen an
LX/LH zu erbringen, ohne unsere Glaubwürdigkeit gegenüber den
Mitgliedern zu untergraben. Da ein Inseratestopp nicht mehr möglich
war, haben bekanntlich einige Partner ihre Beiträge erhöht, was ein
klares Signal ist. Grundsätzlich haben aber die Kampagne und die
Auseinandersetzung mit LX/LH nichts miteinander zu tun.»
Alex Bähler (Media Touristik, Basel): «Ich
habe zwar ausser Plakaten noch nicht viel von der Kampagne gesehen,
finde diese aber eine gute Sache und stehe voll dahinter. Wir leisten
unseren Beitrag, indem wir im Schaufenster die Kampagnenplakate
aufhängen. An der SRV-GV in Kairo war ich dafür, also akzeptiere ich
auch die Umsetzung. Vielleicht gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, aber
angesichts der für einen kleinen Beitrag erbrachten Leistung muss man
auch honorieren, dass überhaupt etwas gemacht wird. Pech ist, dass die
Kampagne selber zurzeit nicht das Hauptthema der Branche ist.»
Sandro Fabretto (Globus Gateway Tours, Lugano):
«Ich habe den Spot bis jetzt einmal auf TSI gesehen und fand ihn sehr
kurz, die überbrachte Message eher mager. Auch bedaure ich sehr, dass
nicht explizit darauf hingewiesen wird, dass im SRV-Reisebüro gebucht
werden soll. Immerhin sind es die Verbandsmitglieder, die bezahlen,
darum sollten sie auch genannt werden. Die Werbematerialien verwenden
wir nicht, denn wir haben überhaupt kein Material erhalten.»
Heinz Gabi (Travel Piazza, Bern): «Wie
in Kairo vorgebracht, hätte ich mir gewünscht, dass die SRV-Kampagne an
der Basis breiter abgestützt wird, indem Reisebüro-Vertreter bei der
Ausarbeitung mitwirken. Dann würden Reisebüros intensiver mitmachen.
Das sei nicht überall der Fall. Ich stehe aber voll hinter dem Inhalt
der Kampagne. Wir verzeichnen beim Wettbewerb einen sehr grossen
Rücklauf; deutlich grösser als während der letzten Kampagne. Den
aktuellen Spot finde ich klar besser als den letztjährigen.»
Roger Geissberger (CEO Knecht Reisen):
«Echo zur Kampagne habe ich kaum vernommen. Wie bereits im Vorfeld
kritisiert, erachten wir die Kampagne als zu abstrakt. Es fehlt der
direkte Bezug zum Reisebüro. Die Botschaft Gehen Sie ins Reisebüro
ist nicht explizit. Mehr Kunden bringt uns die Kampagne nicht, das ist
bedauerlich. Trotz dieser Kritik stehen wir hinter der Sache und
benutzen das ausgearbeitete Material.»
Martin Reber (Schär Reisen, Bern):
«Mir ist nicht klar, weshalb SRV und STAR im Interesse der ganzen
Reisebürobranche nicht zusammenspannen. Obwohl wir zwar Nutzniesser
ohne etwas zu bezahlen! sind, muss ich anfügen, dass wir auch bei
entsprechender Anfrage nicht mitmachen würden: Eine so kurzfristige
Kampagne mit vergleichsweise kleinem Budget verpufft in der Werbeflut
resultatlos. Das Beste daran, wobei ich die visuelle Umsetzung nicht
kritisieren will, war der Ausschluss von Swiss/Lufthansa. Meiner
Meinung nach müsste man das Geld zur Hälfte in den Kampf gegen LX/LH
einsetzen und die andere Hälfte für Verbandsauftritte an Ferienmessen,
wo man die Ferienbucher gezielt angehen kann.»
Daniel Roduner (Port-Air Reisen, Ennetbürgen): «Ich
habe den TV-Spot gesehen und musste schmunzeln. Die ganze Kampagne
finde ich gut und wichtig. Die Aussage stimmt genau und bringt es auf
den Punkt. Kundenreaktionen sind keine eingegangen, aber wir sind hier
auf dem Land. Ich nehme an, Reisebüros in der Stadt erhalten eher
Feedback. Die Werbematerialien benutzen wir. Ich habe sofort alles
aufgehängt, auch ein Plakat im Fenster.»
Jean-Claude Raemy/Sara Marty
Werbeprofi: «Falsche Botschaft gut verpackt»
Werbeprofi Andreas Panzeri, stv. Chefredaktor «Werbewoche», zur
SRV-Imagekampagne: «Der Spot ist gut gemacht. Mit einfachen Mitteln
dramatisiert er die Botschaft: Die schönsten Ferien gibts in Ihrem
Reisebüro. Trotzdem finde ich diese Kampagne nicht besonders gelungen.
Sie befriedigt nur das Briefing, kann aber nichts bewirken. Die
Botschaft ist für mich zu plakativ umgesetzt und wirkt dadurch
unglaubwürdig. Die Reisebüros stehen vor der bekannten Herausforderung,
dass jeder heute die billigsten Flüge selber im Internet buchen kann,
ebenso wie Last-Minute-Reisen. Da kann man zwar mal reinfallen. Aber
auch die Last-Minute-Schnäppchen stammen schliesslich aus den Katalogen
der Reisebüros. Vor diesem Hintergrund fliegt und fährt die Kampagne
deshalb eine falsche Strategie. Sie macht Angst vor Individualreisen
statt Lust auf Beratung: drohende Abschreckung vor der Freude am
Entdecken statt kreative Argumente für ein glaubwürdiges
Kundenversprechen.»
SAM



