Ab einem Franken zwei Flugtickets mit Etihad nach Sydney die Betonung liegt dabei auf dem Wort «ab». Beim Angebot handelt es sich um eine Auktion von Ebookers.ch. Anfang Monat kündigte das Onlineportal an, auf seiner Homepage künftig regelmässig Reisen zu versteigern. Am letzten Montagabend endete die erste Auktion mit 934 Geboten innert sieben Tagen. Die Tickets gingen natürlich nicht für einen Franken weg, sondern schliesslich für CHF 3073. «Damit haben wir ungefähr den Marktpreis erreicht», sagt Head of Marketing Matthias Thürer.
Das Risiko war für Ebookers gering: Einerseits hatte man die Erfahrungswerte von anderen Auktionsanbietern wie etwa Air France, bei denen die Endpreise meist auch auf Marktniveau oder sogar darüber liegen; andererseits lag das Preisrisiko komplett bei Etihad.
Für Ebookers.ch sind die Auktionen mehr Marketingaktion als Vertriebskanal. «Vorgesehen ist eine Versteigerung pro zwei Wochen. Technologisch haben wir unser System so vorbereitet, dass wir mehrere Auktionen parallel veranstalten könnten, allerdings mit grossem Aufwand», erklärt Thürer.
Abgesehen von Ebookers ist die Versteigerung von Reisen zurzeit kein grosses Thema in der Schweiz. Auf den Auktionsplattformen Ricardo.ch und Ebay.ch finden sich hauptsächlich Direktangebote von Hotels oder Privatpersonen, die ihre Reise nicht antreten können. Diverse Branchenplayer hatten Angebote im Programm, sind inzwischen aber wieder davon weggekommen.
STA Travel etwa hatte ihr Auktionsportal www.statravel-auktion.ch 2007 auch in die Schweiz gebracht, inzwischen werden aber keine neuen Auktionen mehr aufgeschaltet. «Die Flug-Auktionen waren zu Beginn sehr gut angelaufen und wurden nach und nach durch Hotels und Packages erweitert», erklärt die Schweizer General Managerin Nadine Mathis. Die vielen Restriktionen, in welchem Zeitraum gebucht und gereist werden muss, hätten die Sache dann aber verkompliziert, sowohl für den Kunden als auch für STA.
Zudem sei es vorgekommen, dass Reisen für mehr versteigert wurden, als sie ursprünglich gekostet hätten, was bei Kunden zu Missmut geführt habe. «Ausserdem wollen unsere Kunden heute selbst bestimmen, wann sie buchen und wann sie reisen. Und sie wollen sich nicht über Tage hinweg mit einer Auktion befassen müssen. Was die Reisebranche angeht, sind die Zeiten der Auktionen meiner Meinung nach vorbei», so Mathis weiter.
TUI Suisse machte in den Jahren 2005/2006 «umgekehrte» Versteigerungen, sprich der Veranstalter stellte gewisse Last-Minute-Angebote zum ursprünglichen Preis online und senkte dann in regelmässigen Abständen die Preise, bis jemand zuschlug. «Inzwischen haben wir andere Tools, um unsere Last-Minute-Angebote zu vermarkten», erklärt TUI-Sprecher Roland Schmid. Innerhalb des TUI-Konzerns habe man zudem das Gefühl, dass andere Märkte, insbesondere die angelsächsischen, affiner für solche spielerischen Aktionen seien als die Schweiz.
In Deutschland erfreuen sich Reise-Auktionen noch etwas grösserer Beliebtheit. LTur beispielsweise hat vor längerer Zeit eine eigene Auktionsplattform eröffnet. Zurzeit laufen dort zwei Auktionen, beide für Ägypten.
Ansonsten ist seit 2011 das holländische Freizeit-Auktionsportal Aladoo in Deutschland tätig, das z. B. viele Angebote von NH Hotels enthält. Etwa zur selben Zeit wurde das Portal Topdeals.de lanciert. Die dortigen Reiseangebote machen aber einen etwas dubiosen Eindruck: Ein «9-tägiger Luxustrip nach Dubai» etwa ist schon seit Tagen auf der Startpage, die Auktion startet immer wieder von neuem. Anbieter ist eine Firma auf Mallorca, Kontaktmöglichkeiten werden keine aufgeführt.



