Reisebüro-Übernahmen: Lokale Verankerung ist Hauptkriterium (Ausgabe 2013-35)

Die Reise-Treuhand AG will künftig verstärkt auch als Schnittstelle für Käufer und Verkäufer von Reisebüros agieren.

Beim Besitzerwechsel eines Reisebüros ist oftmals das grosse Problem, dass sich Käufer und Verkäufer überhaupt erst finden – und dies  zum richtigen Zeitpunkt. Für die Kaufinteressenten ist es mitunter schwierig, ein Reisebüro in ihrer Nähe zu finden, um von den Kontakten aus ihrem persönlichen und privaten Umfeld zu profitieren.

«Die meisten Käufer suchen innerhalb eines Radius von 10 bis 20 Kilometer ihres persönlichen Umfeldes», erklärt Yves Bruttin, Inhaber und Geschäftsführer der Reise-Treuhand AG in Zürich, «die lokale Verankerung ist für die Übernahme eines Reisebüros oder auch für eine Neugründung der wichtigste Faktor.»

Bruttin selbst hat schon rund 25 Reisebüroübernahmen begleitet, und in seiner Kartei stehen derzeit vier Verkäufer und drei potenzielle Käufer. Doch hinsichtlich der unterschiedlichen Stand- bzw. Wohnorte der jeweiligen Parteien steht ein Geschäftsabschluss momentan nicht in Aussicht. 

Bruttin will nun verstärkt als Drehscheibe fungieren und eine vermittelnde Position einnehmen: «Wer ein Reisebüro sucht oder seine Firma verkaufen möchte, kann sich bei uns melden und wird in unsere Kartei aufgenommen. Sobald sich passende Geschäftspartner finden, werden wir aktiv und nehmen Kontakt mit den Interessenten auf. Selbstverständlich gilt dabei absolute Diskretion unsererseits.» 

Ziel sei es, sich mit den beiden Parteien an einen Tisch zu setzen und den Verkaufspreis anhand von Gewinn und Zinssatz gemeinsam zu erarbeiten. Für eine «gescheite» Übernahme benötige es laut Bruttin ein Investitionskapital von rund CHF 100000, wobei es auch hier verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten gebe – beispielsweise eine Teilzahlung mit Ratenzahlung aus dem laufenden Geschäft, quasi als zusätzliche Rente für den ehemaligen Inhaber.

Der konkrete Verkaufspreis sei letztlich von verschiedenen Faktoren abhängig, so z.B. auch von der Art des Unternehmens: Verfügt das Büro über ein eigenes Touroperating, allenfalls in einer risikobehafteten Destination? Oder ist es ein reiner Retailer?

Die Aufnahme in die Kartei ist kostenlos und für potenzielle Käufer fallen vorerst keine Kosten an. Einzig der Verkäufer muss für die Beurteilung seines Geschäfts aufkommen. Bruttin arbeitet nicht auf Provisions-, sondern auf Stundenbasis, wobei sich der Ansatz auf einem «moderaten Niveau» bewege, da viele von den neuen Reisebüroinhabern auch nach dem Kauf noch mit der Reise-Treuhand zusammenarbeiten.

Haben sich zwei Parteien gefunden, ist die Verhandlungsdauer abhängig von deren Entscheidungswillen. «Ein Verkauf dauert in der Regel zwischen vier und acht Wochen, kann sich aber auch zwischen einer Woche und sechs Monaten bewegen», so Bruttin. Die meisten der potenziellen Käufer kämen aus der Reisebranche und seien zwischen 30 und 40 Jahre alt.

An einen Quereinsteiger hat der Treuhänder bislang noch nicht vermittelt. «Ihre Erwartungen sind meist zu hoch und das Fachwissen fehlt komplett. Da ist eine erfolgreiche Übernahme schwierig», so Bruttin.

Simon Benz