Fast jede zweite Filiale von Hotelplan Suisse liegt in einem Einkaufszentrum. Betrachtet man nur den Brand Hotelplan, sind es sogar deutlich über 50 Prozent. Damit ist Hotelplan klarer «Marktführer» in den Shopping Centers, denn bei TUI Suisse befindet sich nur jede vierte Filiale in einem Einkaufszentrum, bei Kuoni sogar nur jede achte. Bei Hotelplan bleibt diese Anzahl ungefähr gleich, bei TUI ebenfalls, allerdings auf lange Sicht leicht zunehmend, nur bei Kuoni «eher stagnierend und/oder rückläufig».
Dies zeigt deutlich, dass der Nutzen von Filialen in Einkaufszentren nicht bei allen drei grossen Verkaufsorganisationen gleich beurteilt wird. Es gibt klare Unterschiede in der Filialstrategie. Hotelplan setzt voll auf die Schiene Einkaufszentrum. Das hat Tradition. Als Tochtergesellschaft der Migros liegt diese Strategie nahe. Hotelplan hat es wohl dadurch auch einfacher als Kuoni und TUI, in den Shopping Centers eine gute Lage zu erhalten, was natürlich enorm wichtig ist. Der grosse Nutzen eines Einkaufszentrums sind die hohen Frequenzen, aber diese hat man nur, wenn man sich an einer guten Lage innerhalb des Zentrums befindet.
Kuoni hingegen scheint sich auf die gut funktionierenden Filialen in gewissen Einkaufszentren wie Glattzentrum oder Volkiland zu konzentrieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich Kuoni irgendwann von Filialen in kleinen Zentren in der Agglomeration trennen könnte, weil es dort offenbar immer schwieriger wird, gute Geschäfte zu generieren. TUI Suisse liegt strategiemässig irgendwo zwischen den beiden Konkurrenten.
Ein Reisebüro in einem Einkaufszentrum zu betreiben, bringt einige Spezialitäten mit sich. Hohe Frequenzen und gute Möglichkeiten von Cross-Marketing-Aktionen mit anderen Läden stehen sicher auf der positiven Seite. Auch hier ist Hotelplan im Vorteil gegenüber Kuoni und TUI: Möglichkeiten von gemeinsamen Marketing-Aktionen mit den Migros-Filialen.
Aber es gibt auch gewaltige Herausforderungen, welche vor allem mit den langen Öffnungszeiten zu tun haben. In den Randstunden vorwiegend am Abend und ganz extrem am Samstagabend oder in den vorweihnachtlichen Sonntagsverkäufen werden kaum Reisen verkauft, aber der Personalaufwand ist vorhanden. Die Tendenz geht in Richtung immer längerer Öffnungszeiten, und dies bedeutet für die Reisebüros noch mehr Personalaufwand und eine noch komplexere Personalplanung.
Chris Probst



