Scanner sind keine «Wunderlösung» (Ausgabe 2010-02)

Jean-Claude Raemy zur Flugsicherheitsdiskussion

Seit dem Attentatsversuch vom Weihnachtstag und den Verschärfungen der
Sicherheitskontrollen auf USA-Flügen wird heftig diskutiert, wie viel
Kontrolle notwendig und zumutbar ist. Insbesondere der mögliche Einsatz
von Ganzkörperscannern – auch «Nacktscanner» genannt – erhitzt die
Gemüter.

Die USA, welche den in die USA fliegenden Airlines bereits zusätzliche
Sicherheitsmassnahmen auferlegt haben, gehen davon aus, dass durch den
Einsatz von Ganzkörperscannern das Einschmuggeln von am Körper
versteckten Sprengstoffen in verschiedenen Aggregatszuständen
verunmöglicht würde. Selbst wenn dies stimmt, räumt es Bedenken über
einen Eingriff in die Privatsphäre der Passagiere nicht aus.
Die EU will denn auch zuerst eine «akzeptable» Scannertechnologie sehen, bevor eine grossflächige Einführung beschlossen wird.

Es ist zudem klar festzuhalten, dass die Scanner-Diskussion vom
wesentlichen Problem ablenkt. Der grundlegende Fehler beim genannten
Attentatsversuch passierte in der Datenverarbeitung der USA, nicht
durch Versäumnisse der Flughafen-Sicherheitskontrolleure in Europa. Es
sieht so aus, als ob das US Department of Homeland Security in seiner
Datensammelwut den Überblick über die Daten verloren hat.

Verunsicherung ist fehl am Platz. Die Flughäfen in der Schweiz und in
Europa kann man getrost als sicher bezeichnen. Die Sicherheitsstandards
an den Kontrollstellen werden regelmässig überprüft. In der
Sicherheitsdebatte sind also nicht einfach Ganzkörperscanner gefragt,
sondern europaweit (weltweit?) von Sicherheitsexperten und
Fachpolitikern erarbeitete, tragfähige Lösungen.

Vorläufig bleibt es aber dabei, dass Flughäfen und Fluggesellschaften
jene Sicherheitskontrollen durchführen müssen, welche ihnen von den
örtlichen Behörden (in der Schweiz vom Bazl) oder in Sonderfällen von
anderen Behörden (im aktuellen Fall der amerikanischen TSA) auferlegt
werden. Und die Rechnung für womöglich übertriebene Verunsicherung
bezahlen.

Zudem werden Flugreisen durch die vielen zusätzlichen
Sicherheitsauflagen eher komplizierter denn einfacher. Man erinnert
sich fast wehmütig an die Szenarien der späten 90er-Jahre, als
prophezeit wurde, Passagiere könnten dank Smartcards und anderen
Technologien bald in Minutenschnelle einchecken und abfliegen.