Schlimmer als nach dem 11. September 2001? (Ausgabe 2008-35)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins Skynews.ch

Die Auswirkungen des hohen Treibstoffpreises und des wirtschaftlichen
Downturns als Folge der Kreditkrise in den USA werden von einigen
Fachleuten der Airline-Branche als schlimmer als die Folgen des 11.
Septembers 2001 beurteilt. Insbesondere in den USA mag dies zutreffen.

Zudem führen auch überalterte Flotten mit durstigen Jets dazu, dass die
sechs grossen US-Airlines bis Ende Jahr zehn Prozent ihrer Sitze
streichen und gegen 500 Flugzeuge stilllegen. Selbstredend ist, dass
damit auch ein massiver Stellenabbau einhergeht, der weit über 20000
Jobs kosten dürfte.

In Europa beschleunigt die gegenwärtige Situation die Konsolidierung im
Airline-Business. Nicht von ungefähr wollen British Airways und Iberia
fusionieren und zusätzlich mit American Airways ihre transatlantische
Kooperation vertiefen.

Was Air France mit KLM und Lufthansa mit Swiss den anderen vorgemacht
haben, wird unweigerlich Nachahmer finden. Auch in Europa wird man sich
endgültig davon verabschieden müssen, dass sich jedes Land einen
eigenen Nationalcarrier leisten kann. Wie lange sich Alitalia und
Austrian Airlines noch alleine in der Luft halten, sei dahingestellt.

Und in der Schweiz? Da dürfte sich die aktuelle Lage nicht schlimmer
als der 11. September 2001 auswirken, denn das Swissair-Grounding ist
wohl kaum zu «überbieten». Swiss und ihre Mutter Lufthansa schreiben
nach wie vor gute Gewinne – auch, weil sie ihre Treibstoffkosten bis
Ende Jahr abgesichert haben. Damit werden aber verständlicherweise
Begehrlichkeiten beim Personal geweckt. Diese kommen in der jetzigen
Situation sehr ungelegen. Denn werden nächstes Jahr höhere Löhne
bezahlt, steigen die Personalkosten und das bei einem nicht mehr
abgesicherten Kerosinpreis. Das Management ist gefordert.ነ