Schwacher Euro, teurer Euro (Ausgabe 2008-50)

Michèle Fischer über Währungsschwankungen

Der massive Wertverlust des Euro gegenüber dem Schweizer Franken,
welcher Ende Oktober die Finanzwelt überraschte, hinterliess auch in
der Schweizer Reisebranche seine Spuren. 1-2-Fly und Thomas
Cook/Neckermann Reisen reagierten schnell und passten ihren Wechselkurs
für die Produkte dieser Wintersaison und der kommenden Sommersaison auf
CHF 1,49 an. Die Kursumrechnung wird weiterhin als wettbewerbsfähig
betrachtet: Auf eine Korrektur nach oben, wie es die Erholung des Euros
während der letzten Wochen eigentlich erwarten liesse, wird vorläufig
verzichtet.

Auf die Frage, inwiefern ein solcher Wechselkurs mit Verlusten
verbunden ist, möchte man bei beiden Unternehmen nicht eingehen.
Angenommen jedoch, beide Veranstalter kauften einen guten Teil des für
die Wintersaison 2008/09 und die Sommersaison 2009 benötigten Euro
bereits vor dessen Wertzerfall ein. Und angenommen, der
durchschnittliche Einkaufswert der Währung hätte bei gut CHF 1,60
gelegen – in Anbetracht des diesjährigen Kursverlaufs eine eher noch
konservative Schätzung. Die Differenz zum aktuell publizierten
Wechselkurs würde folglich bei über 11 Rappen pro eingekauftem
Schweizer Franken liegen. Hochgerechnet auf den Gesamtumsatz ergibt
sich damit eine stattliche Summe.

Bedenkt man die tiefen Margen im Reisegeschäft, schenkt eine solche Differenz ein.
Ob jedoch FTI Schweiz mit einer abwartenden Haltung schliesslich besser
fährt, bleibt offen. Boris Raoul hat recht, wenn er sagt, der Euro
erhole sich wieder und dass sich die bei FTI Schweiz zu
verzeichnende  Buchungsdelle nicht zwingend auf den ungünstigen
Wechselkurs zurückführen lässt. Der Markt erlebt turbulente Zeiten, die
Nachfrage wird durch viele Faktoren bestimmt. Wandern die Kunden
aufgrund des augenfällig besseren Wechselkurses schliesslich zur
Konkurrenz ab, bringen diese Argumente jedoch wenig.

Dennoch: Der publizierte günstige Wechselkurs hat auch seine positven
Seiten. Dies zumindest für die grenznahen Reisebüros, denn diese
kämpfen weniger mit kurzfristigen Währungsschwankungen, sondern mit der
hartnäckigen Annahme der Kunden. In Deutschland würden sich Reisen
günstiger einkaufen lassen. Ein Kurs von CHF 1,49, der eine Buchung in
der Schweiz so offensichtlich günstiger ausfallen lässt als dies in
Deutschland der Fall wäre, hilft vielleicht an diesem Bewusstsein zu
kratzen.