Schweiz streicht Risiko, Deutschland Flüge (Ausgabe 2008-28)

Simon Benz über die Situation von Air Berlin

In beinahe regelmässigen Abständen wird die Branche über die sich
verändernde Situation der deutschen Billigfluggesellschaft Air Berlin
informiert. In der Schweiz hat sich die Situation bislang beruhigt und
der komplette Flugplan für die Wintersaison 2008/09 steht. Für die
Veranstalter ist dies sicher eine Erleichterung und eine Vereinfachung
ihrer Charterplanung.

Die Überprüfung der Langstrecke hat in der Schweiz keine Streichung von
Destinationen zur Folge. Einzig die zweite Verbindung nach Phuket, die
noch im letzten Winter aufgelegt wurde, findet im kommenden
Winterflugplan keinen Platz mehr. Grund dafür ist wohl der neue
Edelweiss-Charter, der, zusammen mit dem verbleibenden
Air-Berlin-Charter, die Nachfrage nach Phuket befriedigen wird.

Air Berlin hat sämtliche Plätze ihrer sechs Langstreckenflüge an die
Schweizer TOs verkauft und reduziert damit das Risiko, unzureichende
Auslastungen tragen zu müssen, auf null. In Anbetracht der steigenden
Treibstoffpreise sicherlich eine für die Fluggesellschaft geeignete
Lösung. Das Charterrisiko lastet damit auf den Schultern der
Veranstalter, welche ihre Preise durch die steigenden
Treibstoffzuschläge regelmässig neu kalkulieren müssen.

In Deutschland sieht die Situation derweil anders aus. Flüge wurden
gestrichen und Kapazitäten reduziert. Die Überprüfung der Langstrecke
von Air Berlin ist noch immer nicht abgeschlossen und es ist noch
unklar, ob weitere Destinationen dem Rotstift erliegen werden. Vor
allem für die Reiseveranstalter dürfte diese Situation problematisch
sein, denn diese können die Planung für ihr Wintergeschäft nicht
definitiv abschliessen.

Eine weitere Baustelle ist das Übernahmevorhaben der Condor. Die
Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich noch zu einem Vertragsabschluss
zwischen Air Berlin und der Fluggesellschaft von Thomas Cook kommen
wird, steht denkbar schlecht. Die Situation hat sich seit Beginn der
Vertragsverhandlungen auf beiden Seiten deutlich verändert. Heute
überprüft und reduziert Air Berlin ihre Langstrecke. Das Interesse an
der Übernahme einer Langstrecken-Airline wie Condor dürfte demnach in
weite Ferne gerückt sein. Entscheidungsfristen werden gesetzt und
verlängert und von Seite Air Berlin wird kommuniziert, dass die
veränderte Situation weiterhin geprüft werde. Das Resultat dieser
Überprüfung dürfte wohl aber niemanden so richtig überraschen.