Single European Sky: Die Airlines müssen sich wohl noch gedulden (Ausgabe 2012-12)

Die EU-Initiative ist 13 Jahre nach ihrer Lancierung noch nicht Gesetz. Worum geht es?

Pro Tag werden in Europa rund 26000 kommerzielle Flüge absolviert – Tendenz steigend. Aufgrund umständlicher Flugrouten und der aufwendigen und teuren Luftverkehrskontrolle existiert seit 1999 eine Initiative auf Stufe EU, welche den «Single European Sky» (SES)verwirklichen möchte.

Eines der wesentlichen Ziele des SES ist die Aufteilung des europäischen Luftraums in neun Blöcke, sogenannte «Functional Airspace Blocks» (FAB). Diese sind das Mittel, mit welchem der europäische Luftraum sich von nationalen Grenzen verabschiedet und stattdessen Luftkorridore schafft, welche den optimalsten und gängigsten Verkehrswegen folgen. Stand heute wird die Flugsicherung in Europa von über 50 Flugverkehrskontrollstellen sowie mehreren Hundert Anflugkontrollstellen und Kontrolltürmen überwacht – eine Herausforderung für Piloten, Airlines und Behörden. Erschwerend kommt hinzu, dass teils militärische «No Fly Zones» umflogen werden müssen.

Das Ziel ist also eine einheitliche Überflugregelung, wo in Sachen Luftsicherheit, Flugsicherungssysteme und technologien übereinstimmende Standards herrschen. Da insgesamt 39 Staaten involviert sind, dauert es jedoch nicht ganz überraschenderweise lange, bis der Single European Sky umgesetzt ist.

Zurzeit entsprechen erst zwei der neun FAB operativ den Anforderungen der EU – jener mit Dänemark und Schweden sowie jener mit Grossbritannien und Irland. Jener Block, in welchem sich die Schweiz befindet (FABEC), ist noch nicht so weit. 

Immerhin: Am 8. März konnte Skyguide zehn di-rektere Transitrouten im Schweizer Luftraum einführen, wodurch 1000km Flugstrecke eingespart werden. Damit leistet die Schweiz einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Hauptverkehrsstrecken im FABEC.

Das ist auch nötig, denn die Zeit drängt. Ursprünglich ging es beim SES um Flugverkehrssicherheit und Kapazitätsmanagement. Inzwischen sind Umweltbedenken und ökonomische Aspekte hinzugekommen. Werden die Verkehrswege kürzer bzw. optimiert, wird weniger Treibstoff verbraucht, was den Airlines Kosten erspart und die Umweltbelastung reduziert.

Es sieht aber so aus, als ob es nicht so sein wird, dass alle FAB per Ende 2012 operativ bereit sind, sprich der Single European Sky noch nicht ab 2013 eingeführt sein wird. Dieser Zeitplan war in der «SES-II» Regulation vorgesehen und in der «Deklaration von Madrid» im Februar 2010 bekräftigt worden. 

Die Airlines müssen sich also weiter gedulden und damit leben, dass wichtige Kompetenzen im europä-ischen Luftraum nach wie vor zersplittert sind, wie dies etwa die Vulkanaschekrise deutlich gemacht hatte. 

Es wäre aber falsch, jetzt die EU-Bürokratie zu verschreien. Die Voraussetzungen für die Implementierung eines Air-Traffic-Management (ATM-)Netzwerks liegen vor und die Eurocontrol, die europäische Dachorganisation für Sicherheit im Luftraum, befindet sich im regen Austausch mit allen betroffenen Flugsicherungsdiensten.

Jean-Claude Raemy