South African Airways (SAA) hat in personeller Hinsicht eine unruhige Phase hinter sich. Im letzten Herbst nahm CEO Siza Mzimela zusammen mit mehreren Vorstandsmitgliedern ihren Hut. Ihr Nachfolger Vuyisile Kona wurde nach nur gerade vier Monaten aufgrund nicht näher beschriebener Vorwürfe suspendiert. Nun hat SAA mit dem derzeitigen Chef der Compass Group, Monwabisi Kalawe, einen neuen Acting CEO, der im Juni sein Amt offiziell antreten wird und endlich wieder Stabilität in die SAA-Führung bringen soll.
Im operationellen Bereich konnte SAA derweil ein Wachstum verzeichnen. Offizielle Zahlen wurden an der Indaba in Durban zwar keine verkündet; Commercial-Chef Manoj Papa liess aber durchblicken, dass sowohl Umsatz als auch Passagierzahlen deutlich steigend seien. Über die Profitabilität sagt dies freilich noch nichts aus: Im Frühling enthüllten südafrikanische Medien, dass SAA wohl einen deutlichen Verlust schreiben werde und auf weitere staatliche Zuschüsse angewiesen sei. Zu schaffen macht der Airline nebst den hohen Treibstoffpreisen auch die schwache Nationalwährung und die Middle-East-Carriers.
Ihr Heil sucht South African Airways zurzeit vor allem in Kooperationen. Soeben wurden neue Abkommen mit Etihad, Air Seychelles und Jet Airways geschlossen, und auch die Kooperation mit Air Canada ist erst wenige Monate alt. Während SAA auf dem afrikanischen Kontinent selber neue Strecken aufnimmt etwa nach Pointe-Noire, Brazzaville, Cotonou, Abidjan, Bujumbura und Kigali soll das interkontinentale Wachstum über Codeshares geschehen.
Dieser Strategie entsprechend steht zurzeit auch keine Rückkehr nach Zürich an. «Europa ist dank unseren Direktflügen nach München, Frankfurt und London und dem Netzwerk von Star Alliance gut abgedeckt», sagt Europa-Chef Michael Bentele, «wenn wir wieder einen Direktflug ZürichJohannesburg starten würden, gäbe es zusammen mit der Swiss 260000 Sitzplätze pro Jahr auf dieser Strecke. Um die zu füllen, bräuchten wir so viel Umsteigeverkehr, dass wir unsere München- und Frankfurt-Flüge kannibalisieren würden.»
Die neue Kapstadt-Verbindung von Edelweiss sieht Bentele hingegen nicht nur als Konkurrenz: «Eine neue Route generiert immer auch mehr Nachfrage, wovon wir auch profitieren können.»
Auch als Offline-Carrier wächst SAA deshalb zurzeit im zweistelligen Prozentbereich in der Schweiz. Entsprechend wird die Airline das Marketing-Budget für die Schweiz leicht aufstocken, wobei sie sich vor allem auf Aktionen via Reisebranche konzentriert.
Stefan Jäggi, Durban



