Am 23. Dezember ist es so weit: Srilankan Airlines (UL) fliegt nach einem über sechsjährigen Unterbruch wieder nonstop in die Schweiz zunächst drei Mal pro Woche: montags und mittwochs jeweils direkt ZürichColombo sowie freitags ZürichMaleColombo. «In Zukunft sind weitere Rotationen geplant», erklärte Chairman Nishanta Wikremasinghe anlässlich eines Besuchs des gesamten UL-Topmanagements in Zürich letzte Woche.
Der National Carrier des Inselstaats im Indischen Ozean bediente ab 1980 damals noch unter dem Namen Air Lanka die Strecke ZürichColombo, zog sich aber 2005 aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Zu schaffen machten Srilankan damals der globale Einbruch in der Airline-Industrie und das Aufflammen des Bürgerkriegs in Sri Lanka, wo bei einem Attentat 2001 die Hälfte der Flotte zerstört wurde. Das sind «Tempi passati»: Der Bürgerkrieg ist seit zwei Jahren beigelegt, die touristische Nachfrage zieht wieder an und Srilankan ist in ein ehrgeiziges Expansionsprogramm integriert.
Die Regierung Sri Lankas sieht vor, bis 2016 über 2,5 Mio. Touristen auf die Insel zu locken zum Vergleich: 2010 reisten 654000 Personen auf die Insel. Die Anreise erfolgt natürlich fast ausschliesslich per Flugzeug. Laut CEO Kapila Chandrasena verzeichnete Srilankan seit Anfang 2011 bereits eine Nachfrage-steigerung von 24%, alleine aus der Schweiz habe es 50% Steigerung gegeben, obwohl Srilankan noch offline ist. 2010 besuchten 9500 Schweizer das Land, grosses Steigerungspotenzial aufgrund diverser neuer Verbindungen wird geortet, wobei auch Schweizer Reiseveranstalter früh das Gespräch mit Srilankan gesucht haben. Dies habe die Airline dazu bewogen, Zürich wieder anzufliegen. Erst kürzlich waren auch Verbindungen nach Moskau, Shanghai, Guangzhou und Kochi eröffnet worden.
Grundsätzlich soll Colombo zu einem neuen Hub werden, dessen Fokus auf Ostaustralien liegt. Ebenso wird im Nachbarland Indien massiv ausgebaut, von aktuell zehn auf «deutlich mehr» Destinationen. Im Interkontinentalverkehr EuropaFernost/Ozeanien liege Colombo ideal. Kein Thema sei ein Einstieg im Mittleren Osten, wo die Konkurrenz zu gross sei.
Weitere Wachstumsmärkte sieht Chandrasena in China (bisher lediglich vier Destinationen) und Südostasien sowie natürlich auf den Malediven, wo Srilankan mit 30 wöchentlichen Verbindungen bereits der grösste Carrier sei. Es versteht sich von selbst, dass Srilankan hofft, als Leisure- und als Gateway-Carrier weitere Marktanteile in der Schweiz zu gewinnen.
Für die Expansion wird die Flotte weiter ausgebaut. Die Airline konnte innerhalb eines Jahres von zwölf auf 19 Flugzeuge aufstocken und erweiterte im Dezember letzten Jahres gleichzeitig das Inland-Flugangebot: Mit dem «Srilankan Air Taxi» erreicht man alle Teile der Insel innerhalb von weniger als einer Stunde, per Twin-Otter-Wasserflugzeug mit 15 Plätzen.
Ebenso entsteht im Süden Sri Lankas nahe Hambantota der neue internationale Flughafen Mahinda Chinthana, welcher 2012 eröffnet wird. Dies unterstreicht, dass die Regierung sich der Wichtigkeit des Tourismussektors als Industriezweig und für das Wirtschaftswachstum bewusst ist. Die Investitionen umfassen auch eine Modernisierung und Entwicklung des Strassennetzes sowie anderer Infrastrukturen sowie eine Finanzspritze von USD 500 Mio. für Srilankan, welche zu 94,68% der Regierung Sri Lankas gehört
Srilankan sucht einen Country Manager
Zürich ist die bislang 53. Destination im globalen Streckennetz von Srilankan Airlines; mit Codeshares sind es 60 Destinationen in 34 Ländern. Angeflogen wird die Schweiz mit Airbus A330 und A340 (davon hat es sechs) im Zwei-Klassen-System: In der Business Class ist die Bestuhlung 2-2-2, in Economy 2-4-2. Bei den fünf A330 hat es 287 Plätze, davon zwölf in Business, bei den A340 hat es 314 Sitze, davon 18 in Business.
In der Business gibt es Flachbett-Sitze und ein modernes Unterhaltungsangebot mit individuellen Programmen (AVOD). Auch die Economy Class wurde kürzlich völlig neu gestaltet. Srilankan setzt laut Director und Verwaltungsratsmitglied Sanath Ukwatte auf «guten Service und kompetitive Preise». Dabei wird nicht nur auf den Schweizer Quellmarkt fokussiert, sondern auch auf Süddeutschland und Österreich, wo wie hierzulande viele Auswanderer aus Sri Lanka leben. Was die Schweizer Organisation angeht, lässt CEO Kapila Chandrasena durchblicken, dass man weiterhin mit dem bisherigen GSA Kales in Zürich operieren werde und Alvin dCruz weiterhin «dedicated Sales Manager» sei, doch sei Srilankan auch auf der Suche nach einem Country Manager.
Jean-Claude Raemy



