SRV-Kampagne zwingt zu Selbstreflexion (Ausgabe 2008-15)

Jean-Claude Raemy zur SRV-Werbekampagne

Seit etwas mehr als zwei Wochen läuft die SRV-Imagekampagne. Auf drei
Landessendern, in wichtigen Sonntagszeitungen und auf Plakatwänden wird
den Schweizern in drei Landessprachen suggeriert, dass sich das Buchen
von Ferien im Reisebüro lohnt, da sich so unangenehme Überraschungen
verhindern lassen.

Die TI-Umfrage in diesem Heft zeigt: Der Effort des SRV im Interesse
der Reisebüros wird geschätzt. Dass die Resultate nicht 1:1 messbar
sind, liegt in der Natur der Imagewerbung. Einen Nutzen hat die
Kampagne so oder so, zumal viele Reisebüros «mitspielen» und Unterlagen
der Kampagne in ihren Schaufenstern und Dokumentationen verwenden.

Kritische Fragen bleiben dennoch nicht aus – das hatte sich ja bereits
im Vorfeld der SRV-GV in Kairo angedeutet. Ein Kernpunkt der Kritik:
Die SRV-Kampagne arbeitet mit Abschreckung. O.K., wer selber bucht,
kann mal Böses erleben. Aber: Ist man bei einer Buchung im Reisebüro
vor Bösem stets gefeit? Es wird wenig deutlich, wo der Vorteil des
Reisebüros gegenüber den Selbstbuchern liegt. Die Kampagne sollte das
Reisebüro als Servicecenter zeigen: Das detaillierte Know-how im
Reisebüro, die Zeitersparnis beim Buchen, das Finden von guten Deals,
die Sicherheit eines Ansprechpartners, die Lust und Freude am Service,
der «Human Touch» – wo ist das alles in der aktuellen Werbung?

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass viel Geld für relativ wenig
Wirkung eingesetzt wird. Nun, wer nichts investiert, kann auch nichts
gewinnen. Zudem ist die Reisebranche nun mal nicht gesegnet mit Firmen,
welche der Branchen-Allgemeinheit – inklusive den Konkurrenten – Mittel
zufliessen lassen, die eine «Dampfwalzen-Kampagne» über lange Zeit und
in allen Medien zulassen. Gibt es eine bessere Lösung als eine solche
Kampagne? Viele wollen das Geld lieber in Know-how, sprich Ausbildung,
investieren, um jene Beratungskompetenz der Reisebüros zu verbessern,
welche die Kampagne suggeriert. Andere würden das Geld lieber im Kampf
gegen «Reisebüro-Feinde» einsetzen.

Es ist nie genügend Geld da, um alle Interessen zu stützen und alle
gesteckten Ziele zu erreichen. Der SRV versucht zumindest, mit den
möglichen Mitteln etwas zu bewegen. Und auch wenn nicht mehr Kunden in
die Reisebüros strömen, so hat die Kampagne immerhin eine wichtige
Diskussion über das Selbstverständnis und die zukünftige Ausrichtung
der Reisebüros entfacht.