Steckt Carbranche hohen Dieselpreis weg? (Ausgabe 2008-27)

Simon Benz über die Treibstoffzuschläge in der Carbranche

Eines der Top-Themen dieser Tage sind die unaufhörlich steigenden
Treibstoffpreise. Täglich wird die Reisebranche über neue
Treibstoffzuschläge informiert, Airlines geben ihren Betrieb auf oder
es werden Lösungen in Fusionen und Kapazitätsreduktionen gesucht. Dass
die hohen Treibstoffpreise auch die Carbranche nicht verschonen, liegt
auf der Hand.

Seit Anfang 2008 hat sich viel getan: Der Preis für einen Liter Diesel
stieg von Januar bis Juni um über 30 Rappen von 1,94 Franken auf 2,27
Franken. Da die Busreiseunternehmen schon in der Vergangenheit mit
Preisaufschlägen auf die steigenden Ölpreise reagiert haben, erstaunt
es nicht, dass die Unternehmen nun einen erneuten Zuschlag erheben.
Während sich die Situation in der Airlinebranche zuspitzt und teils ein
Überleben in Frage stellt, sieht die Carbranche von einem
Katastrophenszenario ab. Dass etwas gegen die anfallenden Mehrkosten
getan werden muss, ist klar. Aber von einer existenzbedrohenden
Situation oder gar von Streik, wie das im Gütertransport auf der
Strasse der Fall ist, spricht niemand. Warum ist das so?

Laut den Stimmen aus der Carbrache wirken sich die höheren Preise nicht
negativ auf die Nachfrage nach Busreisen aus, das heisst die
Busreisenden ändern ihr Reiseverhalten wegen den höheren Reisekosten
nicht. Dies kommt wohl daher, dass die steigenden Ölpreise auch in der
Öffentlichkeit thematisiert werden und die potentiellen Carkunden bei
privaten Autofahrten ebenfalls direkt davon betroffen sind. Eine
Preisanpassung kommt somit nicht überraschend. Zudem scheint eine
Preiserhöhung pro Person und Reise zwischen 10 und 17 Franken die
Schmerzgrenze der Busreisenden nicht zu überschreiten.

Interessant ist währenddessen, dass sich der Carbranche durch die hohen
Treibstoffpreise neue Möglichkeiten eröffnen. Beispielsweise konnte in
Nischenmärkten, zum Beispiel Konzertfahrten, ein Kundenanstieg
verzeichnet werden. Die Benzinpreise scheinen also die Privatpersonen
in gewissen Situationen dazu zu bewegen, auf eine Fahrt im eigenen Auto
zu verzichten und auf die Annehmlichkeiten eines Reisebusses zurück zu
greifen. Es liegt nun an der Busbranche das Verkehrsmittel Reisecar
entsprechend zu bewerben, um die Kunden in diesen Nischen abzuholen. Ob
Fahrten zu Konzerten, Kunstausstellungen, Sportveranstaltungen, in den
Ausgang, zum Wellnessen oder mit dem Fahrradanhänger zum Biken – der
Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.