Herr Stewardson, wie viele Mitarbeitende sind bei Africa Design Travel tätig?
Zurzeit sind es vier Personen, die sich 320 Stellenprozente teilen. Andrea Schindler arbeitet schon seit fünf Jahren mit mir, seit Januar 2009 ist Michaela Kanzler in unserem Team. Sie hat die letzten zehn Jahre in Namibia bei einem unserer lokalen Partner gearbeitet, kennt Namibia also in- und auswendig. Petra Assalve-Knechtel ist nach ihrem Mutterschaftsurlaub wieder zu uns zurückgekehrt und arbeitet jeweils einen Tag pro Woche.
Seit wann gibt es Africa Design Travel?
Begonnen hat alles 1994, also vor etwas mehr als 15 Jahren mit der Eröffnung des Retailing-Büros in Heiden AR. Die Firma in der jetzigen Form besteht seit November 2005. Ich sah in der Kombination Retailing/Operating im kleinen Ort Heiden wenig Zukunft und habe mich entschlossen, auf die Karte Spezialist und zentrale Lage zu setzen. Wir sind nach St.Gallen gezogen und haben gleichzeitig den Namen von Müllener Touristik Heiden AG in Africa Design Travel AG geändert. Dies hat sich auch als vollkommen richtiger Schritt erwiesen.
Wie haben sich Umsatz und Passagiere 2009 entwickelt?
Zu den Zahlen mache ich keine Angaben. Die Veränderung gegenüber dem Boomjahr 2008 war leider negativ: 12%. Bei den Pax-Zahlen haben wir 9% erfahren müssen.
Wie teilen sich die Pax auf die angebotenen Destinationen auf?
Das kann ich leider nicht genau sagen, weil wir pro Auftrag nur eine Destination erfassen können, nämlich die erste, die bereist wird. Den grössten Anteil, nämlich etwa 50%, machte 2009 Namibia aus. Dann folgen Südafrika mit etwa 25% und Botswana mit etwa 15%.
Wie gross ist der Anteil Verkauf über Agenten?
In der Regel etwa 50%, letztes Jahr jedoch nur noch 35%. Ich gehe davon aus, dass dies hauptsächlich damit zu erklären ist, dass die Reisebüros bei den grossen TOs ihre Targets zu erfüllen hatten und wir als Nischen-TO mit relativ hohen Dossier-Umsätzen für «gewöhnliche» Reisen vernachlässigt werden mussten. Zurzeit sind wir wieder bei 50% Anteil für 2010.
Was erwarten Sie von 2010?
Ich erwarte, dass 2010 eindeutig besser wird als 2009. Letztes Jahr haben die Leute mit den Buchungen lange gezögert, für 2010 wird wieder schneller gebucht. Namibia ist erfreulicherweise wieder sehr stark im Trend. Botswana zieht nach einem kleinen Durchhänger letztes Jahr wieder gut an, und die Buchungen für Tansania sind sehr erfreulich.
Ist die Fussball-WM in Südafrika für einen TO wie Sie eher förderlich oder eher hinderlich?
Die Tatsache, dass die WM während der Low Season für Südafrika stattfindet, ist an und für sich nicht schlecht. Für Reisen nach Namibia oder Botswana ist der Anlass zu Beginn der Schulferien aber ein wenig hinderlich, weil die Flugtarife via Südafrika exorbitant sind. Viele Leute weichen auf Mai oder die Schulferien in September und Oktober aus oder verschieben die Reise auf nächstes Jahr.
Wie ist die Nachfrage an WM-Reisen bei Ihnen?
Nicht schlecht. Es gibt viele Anfragen von Leuten, die über die Fifa-Website Tickets erhalten haben. Ein grosses Problem sind die Flugtarife. Die Airlines haben ja die günstigen Buchungsklassen nie aufgemacht, und die Kunden sind etwas verärgert über die hohen Ticketpreise. Unterkünfte, wenn auch relativ teuer, haben wir bis jetzt für alle Interessenten gefunden. Ich werde selber mit ein paar Freunden die Schweizer Spiele in Durban, Port Elizabeth und Bloemfontein besuchen.
Welchen Stellenwert hat nachhaltiges Reisen in Ihren Angeboten? Sind die Kunden heute darauf mehr sensibilisiert als z.B. noch vor zehn Jahren?
Ja, die Kunden sind heute mehr sensibilisiert. Sie suchen eine intakte Natur. Der Stellenwert bei uns ist gross. Wir wählen gerne Produkte beziehungsweise Lieferanten, die sich nachhaltig engagieren. Es gibt im ganzen Südlichen Afrika im Tourismus ganz viele Projekte, die versuchen, mit den Ressourcen nachhaltig umzugehen. Einige Beispiele sind Bildung, Gesundheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Arbeitsplätze schaffen, Umwelt- und Tierschutz, Solarenergie, Wasseraufbereitungsanlagen und Wassersparmassnahmen, eigene Kläranlagen, Pellet-Produktion zum Verfeuern, etc. Was ich aber nicht ganz verstehe, ist, dass in dieser wasserarmen Region einige Kunden sehr glücklich sind, einen Privatpool vor dem Zimmer zu haben.
Chris Probst
Zweiter Anlauf mit Ostafrika
John Stewardson zu den Produkte-News 2010 von Africa Design Travel: «Nach einem etwas glücklosen Launch von Ostafrika vor zwei Jahren, genau zur Zeit der politischen Unruhen in Kenia, machen wir einen neuen Versuch. Wir haben Kenia und Tansania in den Hauptkatalog integriert und bieten neben einigen Safaris auch Badeferien in beiden Ländern (Küs-te von Mombasa, Küste bei Dar-es-Salaam und Sansibar) in verschiedenen Unterkunftskategorien an. Unsere eigentliche Stärke sind jedoch die privaten Safaris für 2 bis 6 Personen im eigenen Fahrzeug. Wir arbeiten in Kenia und Tansania mit exzellenten Partnern zusammen, die ich selber getestet und zu denen ich grosses Vertrauen habe. Ausserdem bieten wir nun auch Badeferien in Mauritius an, entweder zielrein oder als Verlängerung zu einer Reise in den Süden. Hier bieten wir Flugvarianten mit Air Mauritius, Emirates, British Airways, Air France oder Condor an.»
CP



