«Streckennetzentwicklung ist der Motor des Flughafens» (Ausgabe 2011-49)

Das enorme Wachstum am Flughafen Bern-Belp ist kein Zufallsprodukt.

Der Flughafen Bern-Belp boomt massiv. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie diese erfreulichen Zahlen zustande kommen und wie nachhaltig sie sind. Denn gerade in Bern-Belp sah man immer wieder ein Kommen und Gehen von Airlines – dies aus verschiedenen Gründen. Doch heute präsentiert sich die Si-tuation stabiler.

Die Alpar hat aus früheren Jahren gelernt. Deshalb wurde bereits 2009 eine klare Strategie zur Streckennetzplanung bestimmt. Die Zielsetzung lautete Verdoppelung des Verkehrs bis 2020 auf Basis von 2009. Konkret heisst dies: zwischen 200000 und 250000 Passagiere bis 2020. 

Daniel Steffen, bei der Alpar für die Streckennetzplanung zuständig, zu dieser Strategie: «Es handelt sich um eine Gesamtstrategie mit vier Standbeinen: a) Linie und Charter, b) Business Aviation und General Aviation, c) Bund und d) Non Aviation. Als Substrategie im Bereich Linie/Charter sehen wir die Streckennetzplanung. Die Analyse der früheren Planung hat ergeben, dass man oft geschaut hat, wer überhaupt ab Bern fliegen könnte und wohin. Danach folgte eine krampfhafte Suche nach TOs. Heute läuft das anders: Wir können heute genau sagen, wo das Marktpotenzial liegt, und entwickeln so die Strategie in den Teilbereichen Hub, Destinationen und Märkte.»

Nebst der Anbindung an den Hub München wünscht sich Bern noch eine oder mehrere zusätzliche Hub-Anbindungen, beispielsweise nach London Heathrow, Paris CDG, Frankfurt oder Amsterdam. Bei den Destinationen gibt es ebenfalls noch Wünsche, wie Steffen erklärt: «Potenzial sehen wir nach Prag, Warschau und generell Osteuropa, ebenso nach Brüssel. Allerdings kann man klar sagen, dass Skywork im nächsten Jahr ziemlich genau diejenigen Ziele abdeckt, für welche wir ein Marktpotenzial ausgemacht haben.»

Ein weiterer Schritt, welchen die Alpar zusammen mit Skywork entwickelt hat, ist die Anbindung von Bern an den Flughafen Lugano. «Da ist eine schöne Eigenentwicklung entstanden, welche für Skywork sehr gut ist. Will Skywork weiter wachsen, braucht die Airline einen Zubringermarkt nach Bern. Auch dieses Beispiel zeigt, dass wir mit der Streckennetzplanung eine Basis geschaffen haben, mit welcher die Airlines arbeiten können – im Gegensatz zu früher, als vieles auf Zufall basierte», sagt Steffen.

Die Zusammenarbeit mit Skywork verlaufe übrigens ausgezeichnet, so Steffen: «Eine gute ‹home based› Airline ist für den Flughafen extrem wichtig, weil diese ein langfristiges Interesse hat. Es ist aber immer ein Spagat -zwischen Home Carrier und breiter Marktabstützung. Für Destinationen, welche Skywork nicht anbieten will, gehen wir zu anderen Airlines. Deshalb ist gerade auch Helvetic Airways mit ihrer in Bern stationierten Maschine für uns sehr wichtig.»

Diese breite Airline-Abstützung solle sich so weiterentwickeln, meint Steffen, für den ausser Frage steht, was für die gesunde Entwicklung eines Flughafens zentral ist: «Die Streckennetzentwicklung ist der Motor des Flughafens.» Auf die Frage, wie realistisch die Passagierziele für 2020 sind, meint Steffen mit einem Lächeln: «Diese Vorgaben werden wir bereits 2013 übertreffen.»

Chris Probst

80% mehr Passagiere als 2010

Das Passagierziel, welches der Flughafen Bern-Belp für das laufende Jahr kommuniziert hatte, war äusserst ambitioniert. Die Anzahl Passagiere sollte von Januar bis Dezember 2011 um satte 60% auf 160000 erhöht werden. Dieses Ziel wurde bereits im Oktober erreicht. Die Flughafen-Betreibergesellschaft Alpar hat deshalb das Jahresziel revidiert und rechnet mit mindestens 180 000 Passagieren bis Ende Dezember – eine Steigerung von mindestens 80% gegenüber dem Vorjahr. CP