«TAM ist präsent und investiert» (Ausgabe 2009-25)

Die brasilianische Airline will in der Schweiz zu einem Online-Carrier werden.

Mittelfristig will TAM in der Schweiz von einem Offline- zu einem
Online-Carrier werden. Die Schweiz sei zwar ein kleines Land, habe aber
ein riesiges Potenzial, so Cassino. Der Standort Genf ist für TAM zwar
sehr wichtig und die Romandie ist mit einem Anteil von 40 Prozent am
Schweizer Umsatz ein starker Markt, dennoch zieht Cassino vorerst nur
Flüge ab Zürich in Betracht. «Seit Anfang 2009 ist TAM mit einer
eigenen Vertretung im Schweizer Markt aktiv. Nun betrachten wir die
Entwicklungen und können eventuell bereits Mitte 2010 entscheiden, ob
und wann wir die Schweiz direkt anfliegen werden. Sollte es dazu
kommen, wird es voraussichtlich erst ab 2011 der Fall sein. Es muss
auch kein täglicher Flug sein, drei wöchentliche Verbindungen würden
passen.»

Cassino liegt vor allem auch am Herzen, dass der Schweizer Markt sieht,
dass TAM investiert, präsent ist und nicht daran denkt, in Kürze wieder
zu verschwinden. Derzeit hat TAM laut eigenen Angaben in der Schweiz
einen Marktanteil von zwölf Prozent – Ziel sei ein Marktanteil von 30
bis 40 Prozent in ganz Lateinamerika.

Veränderungen hinsichtlich des Flugnetzes erwartet Cassino Mitte 2010,
wenn TAM Airlines als volles Mitglied der Star Alliance beitritt.
Grundsätzlich stellt sich für TAM Airlines aber die Frage, wo noch
Wachstumspotenzial vorhanden ist. «Wir pflegen unsere Online-Märkte und
investieren in die Offline-Märkte, denn diese füllen die Lücken in den
Online-Destinationen.»

Das Hauptgeschäft wird zwar nach wie vor in Lateinamerika generiert,
aber eine Expansion in Europa wird dennoch angestrebt. «Man darf nicht
vergessen, dass TAM in Europa noch sehr jung ist. Unser Erstflug nach
Paris ist erst zehn Jahre her», erklärt Cassino.

Punkten möchte TAM im Servicebereich, ganz nach dem Motto «Service mit
Leidenschaft». «Wir sind stolz darauf, eine brasilianische Airline im
internationalen Markt zu sein. Das prägt alle unsere 25000
Angestellten, die sich dafür allesamt auf einem Flugzeug mit ihrer
Unterschrift verewigten. Die Kunden sollen sich schon beim Check-in
fühlen, als wären sie in Brasilien.»

Um die Bekanntheit von TAM in den Schweizer Reisebüros zu fördern,
werden bis Ende 2009 verschiedene Informationsveranstaltungen
durchgeführt. Neben Info-Tagen und -Wochen über die Angebote und
Destinationen von TAM Airlines führt die Fluggesellschaft auch
Schulungen zu verschiedenen Regionen Brasiliens durch, z.B. Bahia.
Dadurch, dass TAM noch über keinen Direktvertrieb verfügt, sondern nur
über den Handel verkauft, wird diesen Schulungen und
Informationsveranstaltungen eine grosse Wichtigkeit beigemessen. Den
Reisebüros winken dafür neun Prozent Kommission.

Konkrete Zahlen zum ersten Quartal ex Schweiz kann Cassino noch nicht
liefern, da viele der Zubringerflüge mit andern Fluggesellschaften wie
Swiss, Lufthansa, Air France-KLM oder British Airways gebucht und die
Fluggäste somit erst ab dem Anschlussflughafen als TAM-Passagiere
registriert wurden. Aber man habe die gesetzten Ziele bisher erreicht
und sogar übertroffen, erklärt Cassino, und man habe besser
abgeschlossen, als dies im Allgemeinen erwartet wurde.

Nettogewinn im ersten Quartal 2009
Die brasilianische TAM Airlines vermeldete in den ersten drei Monaten
2009 einen Nettogewinn von 54,4 Millionen brasilianischen Real –
umgerechnet rund CHF 30 Millionen. Dies ist ein Anstieg um 26,1 Prozent
im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Betriebsergebnis im ersten
Quartal wurde um 129 Prozent auf R$ 197 Mio. (ca. CHF 109 Mio.)
gesteigert. Die Ebit-Marge betrug in diesem Zeitraum 7,5 Prozent, im
ersten Quartal 2008 waren es noch 3,8 Prozent.   
Simon Benz