Seit Längerem versucht Lufthansa, ihre Tochter British Midland (BMI) loszuwerden. Gründe dafür sind einerseits anhaltende Verluste wegen der Marktschwäche in Grossbritannien und Einbrüchen im Nordafrika-Verkehr, andererseits ein anders gelagertes Geschäftsmodell als bei den übrigen Airlines der Lufthansa Gruppe sowie die relativ geringe Anzahl Slots in London-Heathrow.
Schon im Frühjahr veräusserte BMI sechs Slots in Heathrow an die International Airlines Group (IAG), worunter derzeit London-Platzhirsch British Airways und Iberia zusammengeschlossen sind. In der Folge trafen Lufthansa und die IAG bereits eine Grundsatz-vereinbarung über den Verkauf von BMI. Die Due-Diligence-Prüfung ist seitdem in Gang und es laufen Abklärungen für eine kartellrechtliche Freigabe.
Vor wenigen Tagen ist nun aber Virgin Atlantic, eine der Hauptkonkurrentinnen von BA in Grossbritannien und insbesondere am Flughafen Heathrow, ebenfalls in Verhandlungen mit Lufthansa getreten; ihr Interesse angemeldet hatte sie schon lange. Eine Due-Diligence-Prüfung wurde bereits begonnen. Laut der britischen Zeitung «The Times» soll Virgin Atlantic ein Angebot über GBP 50 Mio. vorgelegt haben, was sehr viel tiefer sei als jenes der IAG Group. Offenbar geht man bei Virgin Atlantic davon aus, dass ein Deal aus wettbewerbsrechtlichen Gründen einfacher wäre als ein solcher mit der IAG Group. BMI hält nämlich 8,5% der heiss begehrten Slots am Flughafen London-Heathrow die IAG Group hätte mit diesen eine absolut dominante Stellung am grössten europäischen Flughafen.
Den Abschluss der Transaktion strebt Lufthansa für das erste Quartal 2012 an. Verkauft werden 100% der Aktien, und zwar nur an eine Firma. Fortsetzung folgt.
JCR



