Technologie und Online als grosse Treiber der Veränderung (Ausgabe 2010-38)

Bewertungsplattformen und Social Media beeinflussen zunehmend die Reisebranche.
Letzte Woche fand in Köln der «FVW-Kongress» statt. Die Themen Technologie und Online beherrschten noch mehr als in anderen Jahren das Programm.

Einer der Referenten im Techno-Bereich war Tom Klein, President Sabre Holdings. TRAVEL INSIDE hatte Gelegenheit, mit ihm über aktuelle GDS-Themen zu sprechen. 

Eines der wichtigen Anliegen von Klein ist der Di-alog zwischen Airlines, GDS und Travel Companies. «Der Dialog muss unbedingt verbessert werden. Die Airlines wollen offenbar nichts von den Kundenbedürfnissen hören. Der Dialog seitens Airlines ist sehr einseitig – beispielsweise führen sie eine bestimmte Gebühr ein, wir GDS müssen die entsprechende Technologie finden und die Kunden können gar nichts dazu sagen», so Klein.

Als wichtigste Konkurrenten macht Klein die anderen GDS aus und weniger die Technologie-Firmen: «Die Business-Modelle der GDS sind gut. In diesen Markt einzudringen ist nicht einfach. Von den angekündigten, sogenannten ‹Low Cost GDS› ist nichts mehr zu hören. Die bestehenden GDS haben eine gute Kostenstruktur, und diese zu matchen ist sehr schwierig. Zudem haben wir sehr viel investiert. Wichtig ist, dass wir nicht nur eine gute Technologie bieten, sondern auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. So werden wir unsere Produkte ständig verbessern und beispielsweise neue Shopping-Anwendungen sowie Mo-bile- und Web-Applikationen auf den Markt bringen.»

Dass Online und Technologie die grossen Treiber der Veränderung sind, wurde in Köln auch in anderen Referaten und Diskussionen immer wieder betont. So meinte Stefan Tweraser, Country Director Deutschland/Schweiz/Österreich von Google: «Die Durchdringung des mobilen Internets wird noch steigen. Zudem werden die Reiseerlebnisse noch häufiger online geteilt werden. Dies muss die Reisebranche unbedingt nutzen.» Dass Google durch die Übernahme des amerikanischen Unternehmens ITA Software, das auf die Entwicklung von Programmen zur Flugsuche und für Ticketbuchungen spezialisiert ist, selber direkt ins Reisegeschäft einsteigen will, verneinte Tweraser.

Nicht nur Anwendungen wie Google oder Facebook beeinflussen zunehmend die Reisebranche. Stark wachsend ist auch die Bewertungsplattform Holidaycheck, wie CEO Jörg Trouvain betonte. Dass TOs eigene Hotelbewertungs-Tools aufbauen wie TUI mit Cheqqer, findet Trouvain keine gute Lösung. «Es würde mehr Sinn machen, wenn die TOs mit uns zusammenarbeiten würden. Wir sind offen für Kooperationen mit Veranstaltern», verspricht er.

Joachim Hunold, CEO Air Berlin, berichtete, dass Air Berlin wie die anderen Fluggesellschaften während der Vulkankrise einen Einbruch erlitt. «Dieser war aber wegen unseres Hybrid-Modells nicht so dramatisch wie bei reinen Linienfluggesellschaften. Allerdings kam bei diesen das Business nach der Krise schneller wieder als bei uns», erklärte Hunold. Neue Möglichkeiten sieht er durch die Aufnahme in die Oneworld-Allianz. Erste Auswirkungen sind die Codeshare-Flüge mit American Airlines und Finnair, welche ab November 2010 buchbar sein werden.

Dass Allianzen auch für Flughäfen positive Auswirkungen haben können, sagte Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender Fraport: «Durch Systempartnerschaften sind die Allianzen für die Airports sehr positiv. In Frankfurt profitieren wir sehr von der Star Alliance – das gilt auch für Zürich. Weil beide Airports profitieren, sehen wir Zürich nicht als Konkurrenz.» Einig war man sich in Köln, dass die deutsche Luftverkehrsabgabe ein grosses Ärgernis ist.

Chris Probst, Köln