Tiefstpreisgarantien: Kundenvorteil oder bloss Marketing-Gag? (Ausgabe 2008-50)

Nicht alle TOs stehen dem Verkaufsargument «Best-Price Garantie» positiv gegenüber.

Prominent prangt das Signet «Best-Price Garantie» auf der Werbung von
TUI Suisse, welche die neuen Sommerkataloge ankündigt. Auf zehn
Katalogen von TUI Badeferien Mittelstrecke soll diese den Kunden für
Reisen in den Mittelmeerraum geboten werden. Das Verkaufsargument
«Tiefstpreisgarantie» ist in der Schweizer Reisebranche indes nicht
neu, wird aber von den Pauschalreiseanbietern sehr unterschiedlich
gehandhabt.

Tiefstpreisgarantien werden beispielsweise von ITS Coop angeboten, wo
diese seit Markteintritt 2006 für sämtliche Produkte aus den Katalogen
«Flugreisen» und «Hotels & Appartements» gilt, sowie neu auch von
FTI Schweiz für alle Angebote im Jahreskatalog 2009 von LAL
Sprachreisen und TUI Suisse für die besagten Kataloge.

Das Argument, eine Tiefstpreisgarantie anzubieten, liegt im
umstrittenen Markt um günstige Pauschalreiseangebote auf der Hand. So
hält Geschäftsführer Andreas Restle fest: «ITS Coop Travel beansprucht
auf dem Schweizer Markt die Preisführerschaft. Dies garantieren wir in
Form der Tiefstpreisgarantie. Diese ist also keine leere Versprechung,
sondern ein wichtiges Argument gegenüber unseren Kunden.»

Auf die Frage, ob überhaupt genügend gleiche Produkte auf dem Markt
vorhanden sind, welche eine «Best-Price Garantie» als Verkaufsargument
rechtfertigen, äussert sich Caroline Bleiker, Managing Director TUI
Package Tours, positiv: «Auf dem Markt gibt es immer mehr vergleichbare
Angebote, da es weniger Voll-Charter seitens der Reiseveranstalter
gibt. Demnach kann die Best-Price Garantie sehr gut eingesetzt werden.»

Anders sieht man dies bei Kuoni, wo man auf Tiefstpreisgarantien im
Pauschalbadeferienbereich verzichtet. Peter Brun, Head of Corporate
Communications, vertritt die Meinung: «Tiefstpreisgarantien sind
weitgehend Mogelpackungen, da nur absolut identische Angebote in eine
Tiefstpreisgarantie einbezogen werden können. Vereinzelte Anbieter
nutzen eine Tiefstpreisgarantie als reine Marketingmassnahme, um
Aufmerksamkeit zu erzielen. Häufig wird jedoch kaum ein Kunde davon
profitieren können. Solche absolut identischen Angebote verschiedener
Veranstalter gibt es praktisch nicht.»

Dennoch – ein Entgegenkommen im Produktpreis schliesst man auch bei
Kuoni nicht aus: «Im Kontakt mit Reisebüros bieten wir bei Anfragen mit
ähnlich gelagerten Produkten ‹Matchings› an. Dies geschieht jedoch
nicht über den Handel und nicht zu jedem Preis.»

Ähnlich klingt es bei M-Travel Switzerland (MTCH). «Die
Tiefstpreisgarantie ist mittlerweile mehr eine (Re-)Aktion im Markt.
Mit Hotelplan und den First-Minute-Angeboten liegen wir bezüglich
Preisen absolut richtig im Markt. Auch ohne die sogenannte
‹Tiefstpreisgarantie›. Was zählt, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wenn das stimmt, dann hat man auch Kunden», ist Prisca
Huguenin-dit-Lenoir, Leiterin Unternehmenskommunikation, überzeugt.
Einem «Matching» steht man bei MTCH hingegen kritisch gegenüber und
bringt die damit verbundene Problematik auf den Punkt: «Unsere Branche
ist nicht mit grossen Margen gesegnet. Da muss man die ‹Hausaufgaben›
schon vor der Preisfindung richtig gemacht haben. In unserem Metier
überlebt ein ‹Bazar› nicht lange.»

Ein zusätzliches Hindernis zur Beanspruchung der Tiefstpreisgarantie –
abgesehen von der Frage, inwiefern überhaupt identische Produkte auf
dem Markt sind – stellt sich mit der vorgegebenen Zeitlimite: Bei ITS
Coop muss der Kunde innerhalb von 14 Tagen nach Buchung die Garantie
nutzen, bei LAL Sprachreisen ist mit sieben Tagen der Zeitrahmen gar
noch enger gesteckt.

Bei TUI Suisse ist man dagegen etwas grosszügiger: Die Nutzung der
Garantie hat bis zum 31.12.2008 zu erfolgen – unabhängig vom
Buchungsdatum. Gemeinsam ist jedoch: Preisdifferenzen zu anderen
Angeboten, die während der Reise beispielsweise im Gespräch mit anderen
Touristen an den Tag treten, können nicht mehr nachträglich über die
Tiefstpreisgarantie zurückgefordert werden. Wird unter diesen
Bedingungen tatsächlich von der Garantie Gebrauch gemacht?

Da bei TUI Suisse und LAL Sprachreisen die Tiefstpreisgarantie neu
eingeführt wurde, verfügt man bei diesen Anbietern bislang über keine
Erfahrungswerte. Anders bei ITS Coop: Hier wurde bisher bei drei Fällen
die Preisdifferenz rückerstattet oder der Rechnungsbetrag reduziert –
dies der Stand seit Herbst 2006.

Tatsächlich scheint also ein reger Gebrauch der Garantie auszubleiben –
ob aufgrund der tiefen Preise oder aufgrund der eng definierten
Bedingungen, bleibt offen.

Michèle Fischer

Voraussetzungen des «Best price»

Während die Produkte, für welche Tiefstpreisgarantien gelten, und das
Datum, bis zu welchem diese beanstandet werden können, von Anbieter zu
Anbieter variieren, sind die Voraussetzungen, welche zur Rückerstattung
der Preisdifferenz erfüllt sein müssen, weitgehend identisch: So müssen
die Angebote die gleichen An- und Rückreisetage betreffen; die Reise
hat im gleichen Flug derselben Fluggesellschaft zu erfolgen; Unterkunft
und Zimmerkategorie sowie die gebuchte
Verpflegungsart müssen identisch sein. Allfällige Zusatzleistungen wie
Versicherungen und Flugzuschläge werden nicht berücksichtigt. Die
«Best-Price Garantie» gilt zudem nicht in Bezug auf preisreduzierte
oder limitierte Katalogangebote.
Im Gegensatz zu LAL Sprachreisen, wo man auch Vergleichsprodukte von
Veranstaltern in Deutschland und Österreich akzeptiert, gilt die
Tiefstpreisgarantie bei ITS Coop und TUI Suisse zudem nur für den
Vergleich mit Katalogprodukten von Schweizer Reiseveranstaltern.

FIM