Treuere Mitarbeitende dank höheren Löhnen? (Ausgabe 2007-49)

Chris Probst über Lohndiskussionen in der Reisebranche

SRV-Präsident Hans-Jörg Leuzinger hat an der Generalversammlung in
Kairo eine Diskussion über höhere Löhne verlangt. Nur so könne man die
Mitarbeitenden halten. Welches Lohnniveau kann sich die Reisebranche
überhaupt leisten?

Die Durchschnittslöhne können unter ökonomischen Gesichtspunkten in den
nächsten Jahren wohl kaum markant angehoben werden. Auch wenn die
Firmenchefs dies den Mitarbeitenden noch so gönnen würden, bei den
bestehenden Margen ist es gar nicht möglich, Löhne auf dem Niveau der
Banken oder Versicherungen zu bezahlen. Hätte sich die Reisebranche in
der Vergangenheit etwas weniger ruinös verhalten, wären die Margen
nicht so tief, wie sie heute eben sind, und es stünde mehr Geld für
Lohnerhöhungen zur Verfügung.

Das Lohnniveau hat viel mit Ausbildung zu tun. Leider gibt es in der
Reisebranche mit der Neuen Kaufmännischen Grundbildung (NKG) nach wie
vor nur eine mögliche Grundausbildung – nachdem die vor zwei Jahren an
der SRV-GV beschlossene Detailhandelsausbildung nicht eingeführt werden
konnte. So werden die Löhne natürlich nach wie vor mit anderen
NKG-Absolventen verglichen, und der Reiz zu einem Branchenwechsel ist
für die Jungen zwangsläufig gross. Mit der Detailhandelsausbildung
wären die Vergleiche mit anderen Detailhandelsstellen sicher wesentlich
positiver ausgefallen und der Reiz, bei einem Jobwechsel ausserhalb der
Reisebranche mehr Lohn zu erhalten, hinfällig.

Auch wenn eine generelle Anhebung des Lohnniveaus zurzeit unmöglich
scheint, heisst das nicht, dass man gewisse Löhne nicht trotzdem
erhöhen muss. In einem guten Geschäftsjahr dürfen die Verantwortlichen
auch vor grösseren Lohnsprüngen nicht zurückschrecken, aber nur in
Einzelfällen. Wer aussergewöhnlich viel leistet, soll auch einen
entsprechenden, mit seinen Kollegen in anderen Branchen vergleichbaren
Lohn erhalten. Es sind die Leistungsträger – und zwar auf allen
Hierarchiestufen und in jedem Alter – die es in der Branche zu halten
gilt.

Die Löhne der «Durchschnittsmitarbeitenden» werden weiterhin
stagnieren. Das ist gar nicht anders möglich; mehr liegt nicht drin.
Gerade bei den jüngeren Branchenprofis ziehen zudem auch andere
Benefits. Vielmehr muss der SRV Gas geben mit der Schaffung einer neuen
Grundausbildung, die mit der Detailhandelsausbildung vergleichbar ist.
Gelingt dies, verflachen auch die Lohndiskussionen.