Vor einigen Jahren entschloss sich TUI Suisse zu einem strategischen
Kurswechsel und verzichtete fortan darauf, französische Kataloge für
die Romandie zu produzieren. Diese Entscheidung war und ist sehr gut
nachvollziehbar, was das Badeferien-Segment angeht. In diesem teilten
sich die drei Grossen den welschen Kuchen Markt mit unzweifelhaft
limitiertem Potenzial und lieferten sich eine Preis- und
Charterschlacht, die kaum rentabel sein konnte.
Als Fehler einzustufen ist hingegen die Entscheidung, auch auf die
Produkte von Flex Travel zu verzichten, denn diese hätten in der
Romandie denselben Erfolg haben können wie einige konkurrente
Travelhouse-Marken, welche mittlerweile gut im Markt implantiert sind.
Das gilt insbesondere für Nordamerika und Asien, Destinationen, die bei
einem Beibehalt von Flex Travel niemals so schnell von den
MTCH-Spezialisten in Beschlag genommen worden wären. Implizit gibt TUI
Suisse dieses Versäumnis zu, indem das Unternehmen Tools wie Flex
Wheels auch auf Französisch anbietet, und der Erfolg des Flex Flight
Centers spricht sowieso für sich.
Doch TUI Suisse zog einen anderen Weg vor: Das Touroperating auf
Französisch aufzugeben und sich in der Romandie auf die Distribution zu
konzentrieren. Heute realisieren die 14 TUI Reisecenter fast 80 Prozent
ihres Volumens mit dem Verkauf von Drittprodukten. Im Geschäftsjahr
2008/09 belief sich der Retailing-Umsatz von TUI Suisse auf 218 Mio.
Franken. Geschätzte 25% davon dürften durch den welschen Teil des
Filialnetzes erwirtschaftet worden sein. Kein Pappenstiel. Mit etwa 30
TOs bestehen Verträge, etwa 15 davon sind aus der Romandie und tragen
mehr als die Hälfte zum Umsatz von TUI in der Westschweiz bei. Dazu
kommen die Spezialisten der TTS-Gruppe, ebenfalls Prioritätspartner in
der Romandie.
Der Markt Romandie, aufgrund der zahlreichen unabhängigen Veranstalter
ganz anders strukturiert als der Markt Deutschschweiz, kann sich
glücklich schätzen über die TUI-Strategie. Genau wie die TTS-Gruppe.
Denn es hätte auch anders kommen können: Hätte TUI Suisse an einer
starken Touroperating-Präsenz und an französischen Katalogen
festgehalten, hätte die welsche Touristik-Landschaft tiefgreifende
strukturelle Veränderungen erfahren, gekennzeichnet durch das
Verschwinden nicht weniger unabhängiger Firmen. Doch das ist Fiktion,
und TUI Suisse ist und bleibt das wichtigste Distributionsnetz der
welschen Reiseveranstalter.



