TUI Suisse setzt auf Einzigartiges und auf moderne Technologie (Ausgabe 2011-38)

Ein schwieriges Umfeld wird 2012 erwartet. Neue, bessere Vertriebstools sind überlebenswichtig.

Am letzten Sonntag und Montag lud TUI Suisse 250 Personen, davon 217 Agenten, zur «TUI Suisse World Ex-perience Tour» nach Apulien ein. Zu kommunizieren gab es einerseits die Winterprodukte, andererseits Strategien für die unmittelbare Zukunft des Geschäfts.

Nach dem Transfer von der Adria-küste hinüber nach Marina di Ugento am Ionischen Meer gab es demnach für die Schaltermitarbeitenden Produkt-Workshops im Iberotel Apulia, für 48 Geschäftsführer/Inhaber und Filialleiter einen separaten Workshop im nahe gelegenen Robinson Club Apulia. Dort wurde nach Referaten von Martin Wittwer (CEO TUI Suisse), Roberto Luna (Leiter Pauschaltouristik) und Matt Huwiler (Leiter Individualtouristik) an 12er-Tischen mit sich abwechselnden TUI-Vertretern über Herausforderungen und Chancen im Geschäft 2011/ 2012 diskutiert.

Ein besonders positives Bild wurde für 2012 nicht gezeichnet. Die kurz-fristige Parität Franken-Euro anfangs August hat Prozesse beschleunigt, unter welchen die TOs allgemein bereits litten. Der 25%-Wertzerfall des Euro dauerte drei Jahre, doch erst in diesem Sommer hat er richtig (und schnell) durchgeschlagen. 

Sinkende Preise und vermehrt im Ausland buchende Kunden sind die grossen Probleme. Auf Angebotsseite wird die Trennung in «Commodity»-Angebote, welche preisgetrieben sind und vor allem im Internet erfolgen, und «tailormade», also beratungsintensive, teurere Reisen, immer deutlicher. «Me-too-Produkte sind austauschbar», hält TUI-CEO Martin Wittwer fest, «den Fokus legen wir deshalb auf nicht austauschbare, differenzierte Produkte.» Das geht dank eigener, exklusiver Angebote (z.B. TUI-eigener Hotels) sowie durch Reiseprodukte, welche «just in time» produziert werden. Für «richtiges» Dynamic Packaging braucht es aber nach wie vor geeignete Tools, sprich leistungsfähiges Dynamic Sourcing als Basis des Dynamic Packaging im B2B- und B2C-Geschäft. Deshalb sehen die TUI-Suisse-Manager die IT als oberste Priorität an. Die Zukunft von einheitlichen, touristischen Vertriebsplattformen wird hinterfragt. 

Wesentlich sind für Wittwer auch eine konsequente Multi-Channel-Strategie, «mittels welcher Vertriebskosten gesenkt werden können», sowie die Nutzung neuer Kommunikationskanäle wie Social Media.

Allerdings belasten Veränderungen in den Geschäftsmodellen die Beziehungen zwischen TO, Reisebüro und Airline, wie in den Gesprächen klar wurde. Zum Beispiel wollen Reisebüros oft weiterhin Kataloge haben, welche für die Reiseentscheidung aus Sicht der TOs aber fast irrelevant sind – aber weiterhin einen enormen Marketingposten ausmachen. Da kommt sicher noch einiges auf die Branche zu.

Jean-Claude Raemy, Apulien