Herr Akalin, Turkish Airlines hat im März 2009 ihre Frequenz BaselIstanbul von vier wöchentlichen Flügen auf eine tägliche Verbindung erhöht. Wie hat sich die Auslastung entwickelt?
Die Auslastung hat sich stark verbessert, hängt allerdings stark von saisonalen Schwankungen ab. Wir haben zahlreiche Transit-Passagiere sowie auch Business-Class-Gäste. Basel wurde zu einem wichtigen Punkt in unserem Netzwerk, vor allem auch für Passagiere in den Mittleren und Fernen Osten.
Welchen Einfluss hat das Codeshare mit Swiss auf Turkish Airlines in Basel?
Das Codeshare-Agreement ist auch in Basel von Vorteil, da die Swiss-Passagiere nun mit uns fliegen können. Durch die Fluggäste, die mit uns unter Swiss-Flugnummer fliegen, konnten wir nicht nur die Passagierzahlen in die Türkei, sondern auch in die Beyond-
Destinationen steigern. Der Start des Codeshares erfolgte im April 2010. Es hat gut begonnen und durch Werbung, sowie den dadurch entsprechend höheren Bekanntheitsgrad werden wir die Passagierzahlen in Zukunft sicher noch steigern.
Wie wirkt sich die Konkurrenzsituation am Euroairport auf das Geschäft von Turkish Airlines aus?
Wir freuen uns über Konkurrenz, schliesslich belebt diese das Geschäft, erhöht die Produktivität und ebnet den Weg für ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dadurch, dass die Schweiz zum Schengenraum gehört, konnte der Euroairport seine Passagierzahl steigern. Mitunter ist auch dies ein Grund, warum wir trotz steigender
Konkurrenz keine Passagiere verloren haben.
Erhöht das Low-Cost-Modell von Easyjet den Preisdruck auf Turkish Airlines?
Dieser Druck besteht, aber die verschiedenen Geschäftsmodelle helfen uns auch dabei, uns stetig weiterzuentwickeln. Unser Netzwerk-Modell hat sich in den letzten acht Jahren stark verändert und wir sind heute hinsichtlich der transportierten Passagiere zur viertgrössten Fluggesellschaft Europas geworden. Am Euroairport haben wir aber nicht viel verloren.
Tendenziell werden die Verbindungen in die Türkei stetig ausgebaut.
Besteht eine Nachfrage dafür oder ist dies ein Verdrängungskampf?
Es gibt im ethnischen Verkehr eine Nachfrage nach neuen Flügen, zum Beispiel nach Ankara oder auch anderen türkischen Zielen. Aber der Markt ist heute noch nicht bereit für eine andere Verbindung von Basel in die Türkei. Aber das kann sich in Zukunft ändern.
Wie sehen Sie die Chancen, dass Turkish Airlines ab Basel einen zweiten täglichen Istanbul-Flug auflegt?
Wir arbeiten stets an den Frequenzen und Verbindungen. Alleine in diesem Jahr nehmen wir weltweit zehn neue Destinationen ins Netzwerk auf. Wir benötigen mehr Transit-Passagiere, das heisst wir brauchen auch mehr Frequenzen. Mehr Feeder bedeutet auch
mehr Passagiere für unsere weltweiten Anschlussflüge. Darum beschäftigen wir uns momentan mit der Frage, ob wir die Frequenzen am Euroairport erhöhen werden. Sollte dies der Fall sein, wird es wohl im Sommer 2011 so weit sein. Es wurde allerdings noch
keine Entscheidung getroffen.
Steht für Turkish Airlines auch der Flughafen Istanbul Sabiha Gökcen (SAW) zur Diskussion?
Für Turkish Airlines ist dies keine Option. In Zukunft könnte diese aber eine Möglichkeit für unsere Billig-Airline-Tochter Andalou Jet sein. Istanbul Atatürk (IST) wird das Hauptdrehkreuz von Turkish Airlines bleiben.
Wie viele Passagiere fliegen zielrein vom Euroairport nach Istanbul und wie viele Passagiere fliegen beyond?
Hauptsächlich während den Sommermonaten steigt die Auslastung an türkische Destinationen stärker als der internationale «beyond traffic». In letzter Zeit verlagert sich das Gewicht jedoch immer mehr zu internationalen Umsteigepassagieren. Der Ausbau des
internationalen Langstreckenverkehrs ist eines der Hauptziele von Turkish Airlines.
Arbeiten Sie dafür auch mit der Basler Reisebranche zusammen?
Wir hatten im August/September eine Promotion für Reisebüros im Raum Basel: Die drei Agenten, die innerhalb von vier Wochen am meisten TK-Tickets ab bzw. nach Basel verkauft haben, erhielten jeweils zwei Flüge von Turkish Airlines geschenkt. Ausserdem veranstalten wir zum Beispiel zwei Fam Trips für Corporates bzw. Unternehmen und Travelmanagers im Oktober nach Istanbul zum Event «Next in Corporate Travel 2010». In diesem Jahr werden Corporates aus der Schweiz und aus Österreich eingeladen.
Simon Benz/Urs Hirt



