Was darf die Reisebürobranche vom Jahr 2010 erwarten? Diese Frage stellen sich wohl alle
Reiseprofis auch die CEOs von Kuoni, MTCH und TUI Suisse. Nach einem
für fast alle äusserst schwierigen Jahr hoffen natürlich alle, dass es
irgendwann wieder aufwärts geht.
Es wäre aber blauäugig zu glauben, dass dies schon zu Beginn des Jahres
eintrifft. Die CEOs äussern sich durchwegs positiv, allerdings
verhalten und somit realistisch. Zumindest im
ersten Halbjahr wird ein Reiseboom wohl noch ausbleiben darin sind sie sich einig.
Auch vor Jahresfrist stand man vor einem unsicheren Jahr. Allerdings
sind die Voraussetzungen nun anders. Jetzt verneint wohl niemand, dass
sich die Reisebranche in stürmischen Zeiten befindet. Psychologisch
gibt es aber klare Vorteile gegenüber der Situation vor einem Jahr,
denn nun werden die aktuellen Zahlen mit denjenigen des Krisenjahres
2009 verglichen und nicht wie im letzten Jahr mit Rekordzahlen. So
verschönert sich die Optik sofort.
Einer der Erfolgsfaktoren für die Veranstalter ist das
Kapazitätsmanagement im Bereich Ferienflüge. Man darf gespannt sein,
wie sich die eingekauften Kapazitäten in diesem Sommer absetzen lassen.
Kuoni und TUI Suisse geben an, kleinere Kapazitäten als 2009 eingekauft
zu haben. Die Vorsicht regiert das Geschäft. Das grösste Risiko geht in
diesem Sommer M-Travel Switzerland ein mit einem Revival der
Vollcharter, geflogen mit Gesellschaften wie Koral Blue Airlines oder
Viking Airlines beides bei den Schweizer Kunden relativ unbekannte
Airlines. Sicher ein mutiger Schritt.
Eines darf man allerdings nicht vergessen: Auch wenn der erhoffte
Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2010 kommt, wird nicht einfach
alles so, wie es vor der Krise war. Die Branche befindet sich in einem
Strukturwandel, was sich leider auch in der Anzahl der Beschäftigten
niederschlägt. Bei den drei Grossen sind per 1. Januar 2010 klar
weniger Mitarbeitende angestellt als vor Jahresfrist. TUI Suisse hat
den Mitarbeiterbestand innerhalb eines Jahres um 7,5 Prozent
verringert, bei M-Travel Switzerland sind es sogar 13,5 Prozent. Die
genauen Zahlen von Kuoni sind zwar noch nicht verfügbar, CEO Stefan
Leser spricht von einer leicht rückläufigen Zahl. Angenommen, es
handelt sich dabei lediglich um zwei Prozent, dann haben die drei
Grossen zusammen in einem Jahr immer noch über 200 Arbeitsplätze
(beziehungsweise Full Time Equivalents) abgebaut.



