Vergütungsmodelle: Schrauben werden wohl weiter angezogen (Ausgabe 2013-42)

Müssen Reisebüros bald höhere Servicehonorare verlangen, um sinkende Kommissionen zu kompensieren?

Im Herbst entscheiden die meisten Reiseveranstalter über ihre Vergütungsmodelle für Reisebüros. In welche Richtung entwickeln sich diese heuer?

Klar ist: Der anhaltende Trend hin zu vermehrt individuellen Reise-Lösungen ist Wasser auf die Mühlen der Reisebüros. Gleichzeitig bleibt der Druck gross, zumal andere Vertriebskanäle konsultiert werden und so für – wenn auch nur vermeintliche – Preistransparenz sorgen.

Gianni Moccetti (Head of Retail Sales, Kuoni) spricht Klartext: «Die Einkommensstruktur der Reisebüros verändert sich weiter. Diese besteht aus tendenziell tieferen Kommissionen aufgrund des Preisdrucks durch andere Vertriebskanäle. Dafür dürften sich höhere Beratungs- und Servicehonorare durchsetzen.» Moccetti führt weiter aus, dass nicht die Reiseveranstalter für sinkende Kommissionen verantwortlich seien, sondern dass die Online-Preistransparenz das Einberechnen von Zwischenhandelsstufen weiter erschweren werde: «Die Konsumenten akzeptieren immer weniger solche Differenzen.»

Beat Obrist (Geschäftsführer TTS) sieht eine ähnliche Problematik: «Der Vertrieb ist noch vermehrt auf das spezialisierte Know-how der Veranstalter angewiesen, gleichzeitig muss der Preis aber dem Internetvergleich ebenbürtig sein.» Für den Aufwand der Reisebüros im heute stark differenzierten Vertrieb müssten trotz allem faire Entschädigungen erwartet werden: «Der TTS senkt deshalb die Kommissionen 2014 nicht.» Allerdings wird sich auch der TTS dem Trend nicht entziehen können und hat bereits angekündigt, dass zumindest die Kommissionsstufen ab 2015 angehoben würden.

Eine stärkere Steuerung ist auch bei TUI Suisse zu erwarten. «Die Höhe der Vergütung wird in Zukunft noch stärker über die Vertriebsleistung definiert», erklärt Erich Mühlemann (Managing Director Marketing & Distribution), «Vertriebspartner, welche sich eindeutig zum Angebot von TUI Suisse bekennen, profitieren von dieser Entwicklung und erhöhen die Chance auf attraktive Erlöse.»

Daniel Reinhart (Director Retailing & Business Travel Hotelplan Suisse) lässt sich noch nicht in die Karten schauen: «Solange Reiseangebote im Handel gut verkauft werden, wird es attraktive Kommissionsmodelle geben. Der Aufwand des Reisebüros wird somit weiterhin entsprechend entschädigt.»