Seit einigen Wochen ist es amtlich und wird sogar vom Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigt: Der Zürcher Fluglärm
überschreitet in Deutschland keine Grenzwerte. Diese auf Schweizer
Seite niemanden verblüffende Nachricht kommt exakt sechs lange Jahre
nach dem Erlass des deutschen Anflugsdiktates für Zürich-Kloten. Nun
geraten die baden-württembergischen Lokalpolitiker in
Argumentationsnotstand, wenn sie von rücksichtslosem Fluglärmexport
sprechen.
Es ist wohl kein Zufall, dass die Resultate der Lärmmessungen erst nach
der deutschen Bundestagswahl veröffentlicht wurden. Die neue deutsche
Regierung mit einem neuen Verkehrsminister muss nun Hand bieten und der
Schweiz im Fluglärmstreit entgegenkommen. Die Schweiz ihrerseits muss
sich auf eine Position einigen und dann knallharte Forderungen stellen:
die Rückkehr zur Nordausrichtung, keine Süd- und Ostanflüge mehr,
ausser diese seien wetterbedingt.
Das kommt wohl dem grössten gemeinsamen Nenner bei.
Auch die Forderung nach Schadenersatz muss auf den Tisch gebracht
werden. Der Flughafen Zürich hat wegen des deutschen Anflugdiktats
Investitionen von weit über 100 Millionen getätigt. Die Zürich
anfliegenden Airlines müssen Umwege fliegen und verbrennen so unnötig
Treibstoff. Im Falle der Swiss würde allerdings die Schadenersatzsumme
in die Kasse der (deutschen) Lufthansa fliessen
Und noch eines: Nicht Verkehrsminister Moritz Leuenberger soll die
Verhandlungen führen, sondern ein anderes Mitglied der Regierung. Dass
Bundesrätin Doris Leuthard bereits kurz nach Bekanntgabe der
Lärmmessresultate verkündet hat, man werde dem Verkehrsminister dann
bei Bedarf schon unter die Arme greifen, sagt auch einiges.



