Von Israel bis Estland: Swisstrails wagt den Sprung ins Ausland (Ausgabe 2012-16)

Der Aktivanbieter ist neuerdings neben der Schweiz in 15 weiteren Ländern tätig.

Die bisherige Angebotspalette von Swisstrails war wohl jedem Schweizer bestens bekannt, wenn auch manchem nur unbewusst: Beim Schweizer Tour Operator ist das gesamte Aktivnetz von «Schweiz Mobil» buchbar. Die Routen kennt man von den charakteristischen farbigen Wegweisern in den Kategorien Veloland, Wanderland, Mountainbikeland, Skatingland und Kanuland. Swisstrails kombiniert die Routen mit rund 700 Unterkünften, Transfers und einem Gepäcktransport.

In diesem Jahr führt Swisstrails nun erstmals auch ausländische Reisen im Angebot. Insgesamt 15 Länder tauchen neu neben der Schweiz auf der Karte des Veranstalters auf. Als eines der Highlights bezeichnet Inhaber Ruedi Jaisli den Jesus-Trail in Israel, der auf der Wanderung von Nazareth zum See Genezareth viele Bezüge zur biblischen Geschichte herstellt. Weitere Angebote sind etwa der Jakobsweg vom Bodensee nach Santiago de Compostela, eine Rennveloreise durch Sizilien und Touren im Baltikum und in Polen.

Die Expansion ins Ausland hat laut Jaisli taktische Gründe. «Der hohe Frankenkurs im letzten Jahr hat uns als Schweiz-Anbieter stark zugesetzt, und unsere Partner im Ausland brachten weniger Buchungen zu uns», erklärt der Swisstrails-Inhaber. Deshalb handelte er nun ein Gegengeschäft aus: Er übernimmt die Angebote seiner ausländischen Partner in sein Programm, dafür fördern diese die Swisstrails-Angebote bei ihren Landsleuten wieder vermehrt. Im Ausland bietet Swisstrails keinen Full-Service an; «für die Flüge schicken wir die Kunden zu Ebookers. Und natürlich kann man die Touren nicht derart flexibel und individuell zusammenstellen, wie dies in der Schweiz möglich ist», sagt Jaisli.

Die Taktik scheint aufzugehen: Nachdem Swisstrails im letzten Jahr erstmals eine Umsatzeinbusse einstecken musste, liegt der Veranstalter bei den Buchungen aus dem Ausland nun wieder 36% über Vorjahr. Angenehmer Nebeneffekt: Jaisli kann seinen Kunden neue Alternativen anbieten, etwa wenn die ausländischen Währungen wieder sinken sollten oder wenn in der Schweiz eine Schlechtwetterperiode herrscht.

Neuland ist die Expansion für Jaisli freilich nicht. Im Bereich Aktivreisen ins Ausland hat der jahrelange Geschäftsführer und Mitinhaber von Eurotrek viel Erfahrung. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass seine frühere Firma nun einer seiner Hauptkonkurrenten im Outgoing-Geschäft sein wird. «Während wir innerhalb der Schweiz praktisch eine Monopolstellung haben, werden wir die bestehenden Anbieter für Auslandreisen nicht toppen können. Das ist aber auch nicht das Ziel; wir wollen in erster Linie überleben und mit der Expansion ins Ausland mindestens die Buchungsrückgänge in der Schweiz ausgleichen.»

Im späteren Sommer will er sich dann voll in die Katalogproduktion stürzen. Ziel von Swisstrails sei es, auch in den Reisebüros wieder präsent zu sein – was sowohl die Auslandreisen als auch Buchungen innerhalb der Schweiz betrifft. Denn auch bei den Schweizer Reisen hat Swisstrails diverse Neuigkeiten zu bieten: So führen neue Aktivkurzreisen zu den UNESCO-Welterbestätten der Schweiz. Zudem hat Jaisli die Preise der Schweizer Reisen um rund 10% gesenkt und die Transfers im Preis inkludiert.

Stefan Jäggi