Martin Wittwer, Chef von TUI Suisse, geniesst seine öffentlichen Auftritte in vollen Zügen. Wer kann es ihm vergällen? In den ersten Jahren seines Wirkens wurde er oft belächelt und kaum ernst genommen. Die Performance war dürftig, es wurde viel Geld verbrannt. Seit einiger Zeit geht es rapid aufwärts. Wittwer ist überzeugt, im Pauschalreisengeschäft Schweiz in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile zurückerobert zu haben. Inzwischen konzedieren dies auch die Konkurrenten neidvoll. Das Modell TUI funktioniert offenbar prächtig: Aufgrund des globalen Einkaufsvolumens profitiert die Schweizer Tochter von tieferen Preisen. Diesen Wettbewerbsvorteil kann TUI Suisse als Marketing- und Vertriebsorganisation den Kunden weitergeben. Dies scheint so gut zu ziehen, dass die arrivierten Platzhirsche Kuoni und Hotelplan für den Päckli-Bereich in echte Bedrängnis geraten. Wittwer erwartet für 2008 eine härtere Gangart, speziell seitens M-travel und Helvetic. Gibt es eine ruinöse Preisschlacht oder eine kostenintensive Werbeoffensive?
Ganz ohne Sorgen steht indes auch die TUI Suisse nicht da. Wittwer gibt zu, die Fixkosten einer ständigen Überprüfung unterziehen zu müssen. So werden alle Ausgaben dezentral verteilt und auch überwacht, inklusive des Marketingbudgets von insgesamt 65 Mio. Franken. Gewöhnungsbedürftig für die Schweizer Kundschaft sind die supergünstigen Angebote von 1-2-Fly: Hier hagelt es ob der unterschiedlichen Erwartungshaltung öfters Reklamationen. Auch für Schweizer Kunden gilt: «Youll get what you pay for.» TUI Suisse kann es 2008 dennoch relativ locker angehen, der TO ist wieder gut aufgestellt, Produkte und Preise stimmen, ist das Management überzeugt. Ausserdem hat man bei den Agenten an Beliebtheit zünftig zugelegt.
Schier unglaublich ist das Faktum der Alleinherrschaft im November und Dezember. TUI Suisse liefert demnächst seine Kataloge an die Reisebüros aus und ist bereits jetzt für alle Sommerangebote buchbar. Eine unübersehbare Werbekampagne als flankierende Massnahme ist am Wirken. Kuoni und Hotelplan lassen den Mitbewerber im Pauschalmarkt Kurz- und Mittelstrecken in dieser Buchungsphase praktisch exklusiv am Markt absahnen. Das Volumen an Vorausbuchungen sei minimal, so deren Begründung. M-travel soll noch vor Weihnachten kommen, Helvetic Anfang Januar. Ob es Kuoni und Hotelplan schaffen, mit der zu
erwartenden Offensive den Aufstieg Wittwers zu bremsen, wird sich bald weisen. Vorderhand gilt jedoch aufgrund der Buchbarkeit: Advantage TUI Suisse.



