«Vorzugspreise»: Akte XY ungelöst (Ausgabe 2008-39)

Beat Eichenberger, Chefredaktor «travel manager»

Die Podiumsdiskussion über das Preferred Fares Modell (PFM) von Swiss
und Lufthansa am diesjährigen Schweizer Travel Management Forum (STMF)
brachte erstmals sämtliche Glieder der Vertriebskette an einen Tisch:
Airlines, GDS, Reisebüros/TMC und Firmenkunden. Nachdem das Thema in
der Branchenöffentlichkeit nach den neuen Verträgen von Sabre und
Travelport sowie der Zusicherung von Amadeus, das im Raum stehende
Entgelt vorläufig zu übernehmen, in letzter Zeit weniger heiss gekocht
wurde als auch schon, war man gespannt, was sich die Protagonisten am
STMF zu sagen haben.

Zur Sprache kamen schliesslich sämtliche offenen Fragen, welche wenige
Tage vor Einführung des Modells in der Schweiz (1. Oktober) nach wie
vor beschäftigen: Swiss wie die GDS legten ihre bekannten Positionen
dar, wobei Amadeus in Deutschland bekanntlich gerichtlich vorgeht –
trotzdem wird bis Ende Jahr eine Lösung angestrebt. Doch mit neuen
Verträgen zwischen LX/LH und den GDS ist es für die Reisebüros nicht
getan: Droht nicht unverändert ein Entgelt, wenn diese dereinst
ablaufen? Die Forderung ist deshalb weiterhin klar: Das Preferred Fares
Modell muss trotz zähneknirschender breiter Vertragsunterzeichnung weg.
Bei CWT spricht man gar offen über die Entwicklung einer eigenen
Buchungsplattform – ob dies mehr als eine Drohung ist, wird sich zeigen.

Eine neue Qualität in die Diskussion brachte die Einbindung der
Firmenkunden. Die Emotionalität ist auf dieser Ebene noch keineswegs
verklungen: «Der Zwist zwischen Airlines und GDS wird letztlich auf
unserem Rücken ausgetragen», so ein klares Statement. Kein Zweifel: Der
vehemente Widerstand der Reisebüros gegen das PFM wird von den
Firmenkunden vollumfänglich gestützt. Eine Tatsache, mit der man sich
bei Swiss offenbar schwer tut: Den Vorwurf, bei Swiss sei man sich von
Beginn weg im Klaren gewesen, dass letztlich die Endkunden die
PFM-Suppe auszulöffeln haben, parierte der ansonsten rhetorisch
versierte Harry Hohmeister leicht irritiert.

Trotzdem: Obwohl es der Diskussion nicht an Brisanz und Emotionalität
fehlte, wäre sie wohl vor einigen Monaten noch nicht so sachlich
verlaufen. Sie konnte mehrheitlich die Antworten liefern, die zum
aktuellen Zeitpunkt wohl gegeben werden können. Eines ist aber klar:
Die Akte bleibt nach wie vor ungelöst.