Vueling fasst in der Schweiz Fuss (Ausgabe 2011-03)

Die spanische Fluggesellschaft hat erfolgreiche Jahre hinter sich und expandiert weiter.

Die spanische Fluggesellschaft fliegt seit letztem Jahr in die Schweiz. Für die Airline ist es eine Quasi-Rückkehr: Sie selbst bediente die Schweiz noch nie zuvor, hingegen war Clickair, die vor zwei Jahren mit Vueling fusionierte, früher täglich die Strecke Zürich–Barcelona geflogen. 

Seit Sommer 2010 bedient nun Vueling dreimal pro Woche die Strecke Zürich–Santiago di Compostela, ab dem 27. März 2011 wird Zürich auch zweimal täglich vom Vueling-Hauptflughafen Barcelona aus angeflogen. Kürzlich wurde bekannt, dass die Fluggesellschaft in Amsterdam eine Basis eröffnet und ab Ende April 2011 von dort aus auch Zürich anfliegen wird.

Von den Schweizer Routen erhoffe man sich bei Vueling einiges, sagt Silvia Mosquera, Executive Vice President of Strategy, Network Planning and Revenue Management. Zwar wird der erwartete Auslastungsgrad der Maschinen nicht kommuniziert, aber: «Wir erwarten gute Zahlen auf all unseren Zürich-Routen. Die Kombination von einer gesunden Schweizer Wirtschaft und den tiefen Inflationsraten in Spanien und den Niederlanden ist ideal.»

Zürich–Santiago habe sich bereits gut etabliert und werde vor allem von in Zürich lebenden Spaniern benutzt. Dass die Route Zürich–Amsterdam bereits sehr häufig bedient wird, streitet Mosquera nicht ab. «Die Preise sind aber noch um einiges höher als auf vielen anderen innereuropäischen Routen. Mit unseren fairen Tarifen hoffen wir, einen neuen Markt zwischen den beiden Städten zu kreieren.» Andere Schweizer Flughäfen wird Vueling in nächster Zukunft nicht in ihr Programm aufnehmen.

Ansonsten aber hat Vueling die Weichen auf schnelle Expansion gestellt, vor allem international. «65 Prozent unserer über 100 Routen sind international», sagt Mosquera. Allein im Sommer 2011 wird die Airline ihre Kapazitäten mit diversen neuen Routen um acht Prozent erhöhen. Nebst Amsterdam eröffnet sie im April 2011 auch in Toulouse eine Basis. Weitere internationale Hubs sind in Planung. 

Als wichtigsten Markt bezeichnet Mosquera Barcelona, wo Vueling seit letztem Jahr einen Verbindungs-Hub hat. Ab März können Passagiere aus Zürich damit via Barcelona in andere spanische Destinationen wie Sevilla, Malaga, Ibiza, Menorca oder Granada weiterfliegen. Weiter fungiert Vueling als Feeder für die Langstreckenflüge der Iberia ab Barcelona und absolviert die meisten ihrer Flüge im Codesharing mit Iberia. Auch Verbindungen mit anderen Airlines der Oneworld-Allianz sind möglich. 

Was die Preispolitik angeht, spricht Mosquera von «fairen Preisen». Als Low-Cost-Carrier will sie Vueling nicht verstanden wissen. «Wir sind eine neue Generation von Airlines, die guten Service zu fairen Preisen bieten wollen. Wir wollen nicht die günstigste Fluggesellschaft sein, dafür gibt es bei uns keine bösen Über-raschungen.» Von einem Low-Cost-Carrier unterscheide sich Vueling zudem darin, dass sie Verbindungsflüge anbiete, via GDS verkaufe, mit Tour Operators zusammenarbeite und einen hohen Anteil an Geschäftsreisenden habe.

In letzter Zeit machte Vueling zudem mit einigen PR-Aktionen auf sich aufmerksam. «Kürzlich haben wir die Autos der Passagiere gewaschen, während sie in der Luft waren», erzählt Mosquera. Für dieses Jahr ist geplant, dass das Modelabel Custo Barcelona in Zusammenarbeit mit MTV zwei der 36 Maschinen ein neues Design verpasst.

Stefan Jäggi

35 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr

Seit der Fusion mit Clickair im Jahr 2009 ist Vueling die drittgrösste Fluggesellschaft Spaniens. Iberia, zuvor mit 20 Prozent an Clickair beteiligt, wurde damals mit knapp 40 Prozent Anteil Hauptaktionär. Vueling übernahm bei der Fusion 18 Airbus A320 von Clickair, womit ihre Flotte aus insgesamt 35 Airbus A320 bestand; inzwischen sind es 36. Heute bedient Vueling 50 Flughäfen innerhalb Spaniens, in Europa und Nordafrika. Im Jahr 2010 beförderte die Fluggesellschaft elf Millionen Passagiere, was laut Silvia Mosquera von Vueling ein Rekordergebnis seit der Gründung der Airline bedeutet. Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine Steigerung von 35 Prozent, nachdem bereits im Jahr zuvor eine Steigerung von 40 Prozent erreicht wurde.

Fürs Jahr 2009, das Jahr der Fusion, wies Vueling einen Umsatz von EUR 601,6 Mio. aus, was einer Steigerung von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleichkam. Der operative Gewinn betrug EUR 71,4 Mio. Fürs Jahr 2010 sind noch keine gesamthaften Zahlen bekannt; «der Reingewinn alleine im dritten Quartal 2010 beträgt aber EUR 43 Mio. Wir sind die zweitprofitabelste Airline Europas», sagt Mosquera. Konkrete Ziele für 2011 gibt sie nicht an; sie ist aber sicher, dass Vueling profitabel bleiben wird.

SJ