Kurz vor Weihnachten liess Hotelplan Suisse eine Bombe platzen: Walter Brüllhardt (56), Director Touroperating Beach Holiday, musste gehen. Offiziell ist er seit Jahresende weg und verlässt das Unternehmen «aufgrund unterschiedlicher strategischer Ansichten». Sein Vorgesetzter und langjähriger beruflicher Weggefährte Thomas Stirnimann, CEO Hotelplan Group, hat die Leitung der Badeferien-Abteilung interimistisch übernommen. Über genaue Gründe für die Trennung wollte sich Stirnimann nicht äussern.
Spekuliert wurde immer wieder, dass Brüllhardt explizite Orientierung des Unternehmens hin zum Online-Geschäft ein Dorn im Auge gewesen sei ohne dass damit unterstellt werden sollte, dass der Freiburger Badeferien-Haudegen keine Ahnung von der «neuen» digitalen Reisewelt bei Hotelplan habe.
Klar ist nur: Die wichtigsten nennenswerten Tour-operating-Initiativen jüngeren Datums gingen auf das Konto von Tim Bachmann, dem Leiter Dynamic Tour-operating von Hotelplan, welcher ja seit Herbst 2012 die ganzen Online-Auftritte von Hotelplan und Migros Ferien verantwortet. Dazu gehört etwa die Integration von Easyjet-Flügen auf den Websites von Hotelplan und Migros Ferien, womit Ferienarrangements mit Billigflügen ab Basel und Genf kombiniert werden können.
Gerade mit Letzterem wurde neulich deutlich, wie problematisch die Aufteilung des Touroperatings in eine klassische und eine dynamische Komponente sein kann. In einem grossen Inserat im Le Matin Dimanche pries Migros Ferien Reiseziele in Griechenland an mit Preisdifferenzen von bis zu CHF 400, je nachdem, ob man ab Genf flog oder ab Zürich. Beispiel: Für eine Ferienwoche in Heraklion mit Abflug 1. September 2014 kostet die Reise ab Genf CHF 556, ab Zürich aber nur CHF 291; für Kos zahlen Genfer CHF 736, Zürcher nur CHF 322, und der Hammer ist Rhodos, das ab Genf CHF 840 kostet, ab Zürich nur CHF 375. Nota bene: Nach Rhodos und Heraklion wird ab Genf mit Travel Service geflogen (welche auch ab Zürich zum Einsatz kommt), der Rest mit Easyjet. Anzumerken ist noch, dass für Mykonos die Genfer mit CHF 577 weniger zahlen als Zürcher (CHF 831).
«Die Preise der einzelnen Flüge werden je nach Auslastung und Buchungseingang separat festgelegt und können deshalb ab Zürich und Genf variieren», sagt Tim Bachmann. So gesehen seien Preisunterschiede mit der Konkurrenzsituation einzelner Strecken zu erklären.
Aber ist eine solche Werbung nicht kontraproduktiv? «Das Inserat bildet den Markt ab», erklärt dazu Bachmann. Die Lage ist allerdings gefährlich für die Hotelplan-Charter ab Genf, da Easyjet dort als «Platzhirsch» die Preise diktiert. Vielleicht ist dieses Beispiel symptomatisch: Brüllhardt hatte gar nicht mehr die volle Kontrolle über das Badeferienprodukt.
Aufschlussreich ist auch die Antwort von Stirnimann auf die Frage, ob Brüllhardt ersetzt wird: «Ein solcher Abgang eröffnet immer auch die Chance, die eigenen Strukturen zu hinterfragen. Ein 1:1-Ersatz ist nicht die einzige Option. Wir werden uns in den kommenden Wochen in der Geschäftsleitung damit befassen, ob es zeitgemässere Ansätze für die Organisation des Bereichs Touroperating Beach Holiday gibt.»
Gut möglich, dass es bei Hotelplan in Kürze zu einer Bereinigung des soeben aktualisierten Organigramms kommt.



