Das Verhältnis der Weltöffentlichkeit zu den USA hat in den letzten
Jahren gelitten. Und die vielen bürokratischen Auswüchse der Regierung
Bush haben in vielen Fällen zu Recht zu Kopfschütteln geführt. Man darf
deswegen noch lange nicht alles pauschal verurteilen, was aus
Washington kommt. Jüngstes Beispiel: die neue Einreiseprozedur für
Bürger aus «Visa Waiver»-Ländern, also auch aus der Schweiz.
Ab Januar 2009 muss man spätestens drei Tage vor der Abreise in die USA
ein Online-Formular ausfüllen. Jammer und Geschrei allerorts, von
Schikanen und Spionage ist die Rede.
Alles halb so wild. Es ist nur eine neue Art, die bisher mit dem grünen
I-94-Schein eingeholten Informationen zu sammeln. Die Buchungsstelle
kann, aber muss dies nicht für den USA-Reisenden machen. Die sogenannte
ESTA-Registrierung dauert pro Person vielleicht fünf Minuten. Für die
USA bedeutet sie weniger Administration und mehr Sicherheit. Und an
mehr Sicherheit ist letztlich auch der Fluggast interessiert; die USA
sind schliesslich nach wie vor Zielscheibe mancher Terroristen.
Sicherheitsbedenken bezüglich des Prozederes muss man nicht haben. Ein
Pop-up-Fenster zu Beginn der Registrierung besagt lediglich, dass die
Daten eventuell von anderen US-Behörden eingesehen werden. ESTA-Daten
können aber nur auf einer «Need to know»-Basis entsprechend dem
strengen US Privacy Act für sicherheitsrelevante Zwecke eingesehen
werden. Infos erhalten so eventuell auch Konsularbeamte und die
Fluggesellschaften via das Apis-System.
Registriert werden überdies die IP-Adresse, der Browsertyp und die
während der Session besuchten Seiten. Das hilft bei der Optimierung der
Website. Ein Zugriff auf persönliche Daten im PC des Antragstellers
findet jedoch nicht statt, zumal dies illegal wäre. Es wird auch
lediglich ein «per session cookie» aktiviert. Spionagemöglichkeiten
sind damit ausgeschlossen. Die ESTA-Daten werden anschliessend
archiviert; auch da liegt kein Unterschied zum bisherigen Prozedere mit
dem I-94 vor.
Bisher sind mit ESTA keine nennenswerten Probleme aufgetreten. Und neue
Prozeduren stören Reisende kaum: Bis Juni sind 150323 Schweizer in die
USA eingereist, also 15,8% mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese haben
längst gemerkt, dass die USA-Einreise bei Weitem nicht mehr so schlimm
ist wie noch oft kolportiert. Es ist eben wie am TTW oder am VUSA: Wer
hingeht, weiss mehr.



