Mit einem so grossen Widerstand gegen die so- genannten
«Vorzugspreise», die ab 1. Oktober nur mit Bezahlung zusätzlicher
Gebühren zu buchen sein sollen, haben die Verantwortlichen von Swiss
und Lufthansa wohl nicht gerechnet.
Die Reaktion der Branchenverbände in der Schweiz, in Deutschland und
Österreich ist heftig. Im Kampf gegen Swiss und Lufthansa haben sich
fünf Verbände zusammengeschlossen, eine gemeinsame «Verbändeerklärung»
abgegeben und ihre Mitglieder aufgefordert, die neuen Verträge mit den
Airlines nicht zu unterzeichnen. Es darf als Erfolg gewertet werden,
dass es die fünf Verbände in kürzester Zeit geschafft haben, sich zu
treffen und zu einigen. Ihre Position sollte den Airlines deutlich
geworden sein. So einfach wollen sich die Reisebüros von den Airlines
nicht für deren Verhandlungen mit den GDS instrumentalisieren lassen.
Die Reisebüros in der Schweiz tun gut daran, die dringende Empfehlung
des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV) zu befolgen. Auf der
einen Seite gibt es keinen Grund zur Eile bei der Unterzeichnung des
umstrittenen Vertrags, denn als Deadline gibt Swiss Ende Juni 2008 an.
Hier sind die Schweizer Reisebüros sicher im Vorteil gegenüber den
Büros in Deutschland und Österreich, denn dort soll das neue
Tarifmodell bereits per 1. Juli eingeführt und die Verträge bis Ende
März unterzeichnet werden. Auf der anderen Seite ist es sehr
unwahrscheinlich, dass Swiss und Lufthansa an den GDS-Gebühren von acht
Franken pro Flugsegment festhalten werden. Dieser Betrag wird wohl auf
ein tieferes Niveau gesenkt und dadurch werden den Reisebüros
angepasste Verträge unterbreitet.
So oder so macht es sich die Swiss ziemlich einfach. Das Verhalten
gegenüber den Reisebüros ist arrogant und hat mit Partnerschaft nichts
mehr zu tun. Mit Aussagen wie «es ist uns egal, ob die Reisebüros den
Vertrag unterschreiben oder dann halt höhere Tarife haben» macht sich
die Swiss keine Freunde. Da können die Swiss-Verantwortlichen noch
lange hoffen, dass der Umgang vernünftig und professionell bleibt.
Der Ball liegt nun bei den GDS, die ihre Gespräche mit Lufthansa und
Swiss zügig voranbringen müssen. Im Moment richtet sich der Zorn der
Reisebüros noch gegen die Airlines, aber falls es den GDS nicht
gelingt, mit den Airlines neue Verträge auszuhandeln, werden wohl auch
Travelport, Amadeus und Sabre von den Branchenverbänden einiges zu
hören bekommen.



