Wie aus einem Sturm eine Chance wird (Ausgabe 2006-45)

Norman C. Bandi über Mexikos Bemühungen in der Schweiz.

Parktisch vor einem Jahr hat der Wirbelsturm Wilma die Küsten an der mexikanischen Karibik schwer verwüstet. Doch anstatt den Kopf in den Stand zu stecken, hat man alle Hebel in Bewegung gesetzt, um so schnell wie möglich wieder eine Badeferien-Traumdestination zu sein. Rechtzeitig zum diesjährigen Saisonbeginn ist man auf der Halbinsel Yucatan für die Gäste aus aller Welt bereit – vor allem die Strände und Hotels in und um Cancun sowie an der Riviera Maya wurden schnell wieder auf Vordermann gebracht.

Mexiko hat es verstanden, von diesem Unglück quasi zu profitieren. Insgesamt wurden über 250 Millionen US-Dollar in den Wiederaufbau und ergänzende Arbeiten investiert. Zum Beispiel wurde in Cancun ein zwölf Kilometer langer Sandstrand aufgeschüttet. Heute sind in der Touristenmetropole der mexikanischen Karibik 84 Prozent der fast 28000 Hotelzimmer in Betrieb. An der Riviera Maya stehen alle der 27000 Hotelzimmer zur Verfügung, weil Wilma hier nur wenig Schaden angerichtet hat. Es sind gar 3000 neue Hotelzimmer hinzugekommen. Parallel dazu hat man die Infrastruktur renoviert und modernisiert.

Mexiko versteht es weiter, den Wirbelsturm als Chance zu nutzen. Für die internationale Vermarktung wurden vom Mexikanischen Tourismusministerium für dieses und das nächste Jahr ordentliche Summen gesprochen. Keine Selbstverständlichkeit ist, dass davon auch Geld in die Schweiz fliesst. Doch das Mexikanische Fremdenverkehrsbüro beweist seinen Willen, die helvetischen Einreisezahlen von schätzungsweise 53000 (2005) wieder auf die annähernd 60000 (2004) zu steigern. Der Einbruch ist vor allem mit Wilma zu begründen.

Keine Selbstverständlichkeit ist es zudem, weil Mexiko nicht über eine Repräsentanz in der Schweiz verfügt, sondern den Markt von zwei Niederlassungen im Ausland betreut. Um die Romandie kümmert sich das Büro in Paris, um die deutschsprachige Schweiz bemüht sich das Büro in Frankfurt. Oft wird National Tourist Offices ohne hiesige Vertretung vorgeworfen, den helvetischen Markt stiefmütterlich zu betreuen. Das dem nicht so sein muss, belegen die Mexiko-Büros Frankfurt und Paris, deren Schweiz-Direktoren diese Woche gemeinsam nach Basel gereist sind. Bei diesem Besuch, dem leider viel zu wenig einheimische Leistungsträger beigewohnt haben, betonte das Duo, dass man noch so gerne Kooperationen mit Generalisten und Spezialisten eingeht.