Genau heute vor elf Monaten haben Swiss und Lufthansa angekündigt, das
umstrittene Vorzugspreismodell mit GDS-Gebühren einzuführen. Dieses
Thema hat die Branche das ganze Jahr über beschäftigt und ist noch
immer nicht gelöst es gibt nur temporäre Lösungen. Droht nun für 2009
eine Ausdehnung dieses Problems zwischen Fluggesellschaften und GDS?
Ein Bericht auf der Website der niederländischen Fachzeitschrift
«Zakenreis» macht stutzig. Dort kündigt Bram Gräber, Senior Vice
President & Area Manager von KLM Benelux, an, dass Air France-KLM
ab Juni 2009 den Reisebüros eine GDS-Gebühr verrechnen wird, weil die
Kosten, die der Airline von Travelport (betroffen sind die beiden GDS
Galileo und Worldspan) verrechnet werden, im Durchschnitt rund 20
Prozent höher seien als die üblichen Marktpreise.
Gräber erklärt: «Wir liefern Full Content für erschwingliche
Vertriebskosten. Mit zwei der drei GDS hat das funktioniert. Wir haben
Verträge mit Sabre und Amadeus abschliessen können und haben das auch
mit Travelport versucht, hatten aber keinen Erfolg. Es sieht nicht
danach aus, dass es zu einer für uns befriedigenden Lösung kommen wird.
Deshalb sehen wir uns gezwungen, diese Zusatzkosten ab Juni 2009 dem
Markt zu belasten.»
Die Massnahme soll gemäss diesem Bericht weltweit für die gesamte
Air-France-KLM-Gruppe zur Anwendung kommen, allerdings mit variierenden
Auswirkungen pro Markt. Wie sieht das in der Schweiz aus? Henri
Hourcade, Vice President Corporate and Distribution von Air France und
KLM, erklärt auf Anfrage von TRAVEL INSIDE: «Herr Gräber hat in diesem
Interview über die Situation auf dem holländischen Markt gesprochen.
Für die Schweiz wurde noch keine Entscheidung getroffen, und wir haben
nicht geplant, Gebühren für Galileo- und Worldspan-Benutzer zu
verrechnen.»
Im Gegensatz zu Gräber sieht Hour-cade Chancen für eine Einigung mit
Travelport: «Es gibt sicher noch Chancen, dass Air France-KLM und
Travelport eine Einigung für einen Full-Content-Vertrag erzielen und
dann solche Gebühren doch nicht erhoben werden. Verhandlungen sind noch
im Gange.» Reisebüros, die mit Sabre oder Amadeus arbeiten, haben keine
GDS-Gebühren von Air France-KLM zu befürchten. «Die offene Situation
besteht nur mit Travelport. Sabre- und Amadeus-Benutzer werden keine
Gebühren bezahlen müssen», versichert Hourcade.
Die Verrechnung von GDS-Gebühren sieht Gräber nur als temporäre Lösung,
die Air France-KLM nicht über fünf Jahre anwenden wolle. Die Botschaft
an Travelport sei deutlich: Wenn die Kosten im Verständnis von Air
France-KLM zu hoch bleiben, werde man in ein paar Jahren keinen Content
mehr liefern.
Chris Probst
Vorzugspreise weiter unter Druck
Kevin Mitchell, Chairman der US-amerikanischen Lobbyorganisation
Business Travel Coalition (BTC), hat Travel Manager weltweit dazu
aufgerufen, einen Protestbrief an die Lufthansa zu unterzeichnen. Das
Vorzugspreismodell schade dem Vertrieb über Geschäftsreisebüros. Die
Unterzeichner wollen ihre Buchungen zu Airlines lenken, die ihre
Vertriebssysteme an die Anforderungen der Travel Manager
anpassen.
CP



