Herr Tómasson, aus welchen Gründen kehrt Icelandair nach Zürich zurück?
Icelandair ist zuletzt 2006 zwischen Zürich und Island geflogen. Die Flugver-bindungen ab Sommer 2013 unterscheiden sich jedoch wesentlich von den damaligen Flügen: Statt einmal pro Woche fliegen wir zweimal pro Woche, dienstags und samstags, wobei beide Flüge optimal in unser «Hub & Spoke»-Konzept integriert sind, so dass gute Verbindungen zu unseren nordamerikan-ischen Zielen bestehen. In der Vergangenheit war die Verbindung ausgerichtet auf Schweizer Touristen nach Island.
Spielte der Flughafen Zürich eine Rolle beim Icelandair-Comeback?
Wir wurden jederzeit unterstützt, aber die Entscheidung pro Zürich fiel allein aus strategischen Gründen. Wir haben unsere Präsenz auf den Kernflughäfen in Kontinentaleuropa mit Frankfurt, München, Hamburg, Paris, Amsterdam und Brüssel jetzt um Zürich erweitert.
Welchen Passagiermix erwarten Sie auf diesen Flügen?
Der Grossteil der Passagiere wird aus dem Leisure-Bereich kommen und von der Schweiz nach Island fliegen. Da unsere Transatlantikverbindungen in neuen Märkten sehr gut angenommen werden, selbst in Konkurrenz zu Nonstop-Flügen, erwarten wir auch einen gewissen Prozentsatz an Transatlantik-Verkäufen. Für Isländer ist die Schweiz ein interessantes Reiseziel, aber realistisch betrachtet wird dieser Anteil deutlich niedriger sein. Für Geschäftsreisende dürften unsere drei Service-Klassen – Economy Class, Economy Comfort und Saga Business Class und das Preis-Leistungs-Verhältnis von Interesse sein. Aber dieses Segment wird prozentual einen eher kleinen Teil der Buchungen ausmachen.
Der US-Markt ist ex Schweiz gesättigt. Was spricht für Icelandair-Flüge?
Icelandair fliegt nicht nur nach New York oder Washington, sondern auch an Ziele jenseits der Ostküste wie Minneapolis/St. Paul oder Denver. 2013 werden wir zudem zum ersten Mal nach Anchorage in Alaska fliegen. Das sind Nischen-märkte, die aus vielen unserer europäischen Abflughäfen nicht ausreichend bedient werden. Dank unserem Island-Hub können wir schnelle Verbindungen anbieten. Unser Heimatflughafen Keflavik bietet kurze Wege und kurze Umsteige-zeiten. Ausserdem reist man auf dem Rückweg bereits in Island in die Schengen-Zone ein, was Zeit bei der Ankunft spart.
Was zeichnet ihre Boeing B757 aus?
Icelandair hat in den vergangenen drei Jahren umfangreiche Investitionen in den Bereichen «Inflight Entertainment System» und Innenausstattung getätigt. Wir haben neue Ledersitze mit bequemem Sitzabstand; jeder Passagier verfügt über einen eigenen Touchscreen-Bildschirm mit grosser Auswahl an Filmen, Serien und Spielen. Dabei wird auch Island filmisch und musikalisch vorgestellt. Derzeit wird ausserdem ein WLAN-Internet-Zugang eingerichtet, der bis zum Sommer 2013 in allen unseren Flugzeugen verfügbar sein wird.
Wo situiert sich Icelandair preislich?
Icelandair hat sich in 75 Jahren am Markt stets behaupten können, indem dynamisch und flexibel auf technische Entwicklungen und veränderte Rahmen-bedingungen reagiert wurde. Wir sind stets preisgünstig. Es gibt viele Mitbewer-ber auf den Island-Strecken aus Deutschland, aus den USA und seit einigen Jahren auch aus Island. Es ist aber nicht unser Ziel, immer der billigste Anbieter zu sein. Unsere Kunden schätzen unsere Beständigkeit, Zuverlässigkeit und unseren persönlichen Service.
Wie wird Icelandair den Schweizer Markt bedienen? Mit einem GSA?
Icelandair hat in allen Kernmärkten ein eigenes Büro. Von unserer Zentrale für Kontinentaleuropa in Frankfurt aus werden wir auch den Schweizer Markt betreuen, mit erfahrenen und mehrsprachigen Mitarbeitern.
Island hat 2008 finanziell sehr stark gelitten. Wie solid steht Icelandair da?
Die Finanzkrise im Herbst 2008 hatte natürlich grosse Auswirkungen auf Icelandair. Die Buchungen aus dem isländischen Markt brachen zusammen. Kurz entschlossen transferierten wir unseren Fokus und unsere Marketing-Budgets aus Island in andere Märkte zu Gunsten unserer Flüge nach Island. Wir sind als Fluglinie gestärkt aus dieser Krise herausgekommen. Die Destination Island liegt im Trend, die Abwertung der isländischen Krone hat dazu beigetragen, dass immer mehr Besucher nach Island reisen und sich das Image von Island als ein «teures Pflaster» gewandelt hat. 2011 reisten 42% mehr Schweizer nach Island als vor der Krise 2008. Wir blicken voller Zuversicht in die Zukunft mit den neuen Flügen nach Zürich und nach Anchorage.
Vom Fussballprofi zum Airline-Manager
Einar Páll Tómasson (43) war nach seinem Abitur zunächst Fussball-Profi, unter anderem beim SC Paderborn, in Schweden, Island und Norwegen.
Berufsbegleitend begann er dann ein Betriebswirtschaftsstudium an der B.I. Norwegian Business School. Nach Abschluss seines Studiums und seiner Fussballkarriere 1998 zog er zurück nach Reykjavík, wo er für Mastercard Island als Marketing Director arbeitete. 2005 wechselte er zu Icelandair, als Regional Manager Netherlands in Amsterdam. Schon 2006 wurde er General Manager Deutschland, Schweiz, Österreich und Niederlande mit Sitz in Frankfurt; seit 2008 ist er auch für Frankreich und Belgien zuständig.
Jean-Claude Raemy



