Drei Erfolgsfaktoren macht TUI-Suisse-CEO Martin Wittwer in der Pauschaltouristik aus: Produktedifferenzierung, gute Technologie und konkurrenzfähige Preise.
«Wichtig ist, dass wir uns mit möglichst vielen Produkten im Pauschalbereich von der Konkurrenz abheben können. Je mehr Hotels nur bei uns buchbar sind, desto besser ist das für uns. Noch wichtiger wird dies, wenn auch in der Schweiz die veranstalterübergrei-fenden Buchungssysteme wichtiger werden, damit wir bei möglichst vielen Hotels zuoberst erscheinen», ist Wittwer überzeugt.
Im Sommer 2012 gibt es deshalb bei TUI noch mehr dieser differenzierten Angebote, zum Beispiel die Vi-verde Hotels, welche sich an naturverbundene Familien, Singles und Paare richten. Die Natur soll dabei aktiv und bewusst erlebt werden. Weitere differenzierte Produkte seien Grecotel, Puravida, Sensimar, Robinson, Club Magic Life, TUI best Family, Riu, Iberotel und Grupotel. Insgesamt bietet TUI Suisse rund 200 Hotels in diesen Marken an.
Auch im zweiten Punkt, der Technologie, tut sich etwas. TUI Suisse wird ab der Sommerproduktion 2012 die Produkte TUI Schöne Ferien und Vögele neu dynamisch produzieren. Das heisst, dass im Pauschalbereich zusätzlich zu den Charter-Flugkontingenten auch tagesaktuelle Linienflüge angezeigt und zusammen mit den Hotelkontingenten (diese werden herkömmlich angezeigt, also ohne Integration einer Bettenbank) zu dynamischen Packages geschnürt werden. Möglich wird dieses «Sourcing» durch das Neue Produktionsmodell (NPM) von TUI Suisse. Wittwer: «Wer die Technologie im Griff hat, wird das Rennen machen.»
Der dritte Erfolgsfaktor, konkurrenzfähige Preise, war 2011 mit dem tiefen Euro-Kurs ein echtes Problem für die Schweizer TOs. «Viele Kunden sind 2011 zu TUI Deutschland abgewandert. Genaue Zahlen dafür haben wir nicht, aber ein Indikator ist die Tatsache, dass im Sommer 2011 1314% mehr Flugplätze ab Zürich im Ausland verkauft wurden. Weil wir nun aber Währungen abgesichert haben, als der Euro-Kurs sehr tief war, können wir für Sommer 2012 die Preise durchschnittlich um 15% senken, sodass wir Stand heute in der Schweiz gleich tief oder sogar günstiger als in Deutschland anbieten können. Nun müssen wir bei den Konsumenten das Vertrauen wieder herstellen», sagt Wittwer.
Die Kehrseite der tieferen Preise spürt TUI Suisse auch schon im Winter: Mit gleich vielen Kunden wie im Vorjahr sinkt der Umsatz um rund 16%. Als Herausforderungen macht Wittwer auch das veränderte Geschäftsmodell der TOs und die Konjunkturaussichten in der Schweiz aus. «Auch wir werden nicht darum herum kommen, schlanker zu werden und unsere Prozesse zu überdenken. Seit Jahren sind wir zwar schon schlank und haben wenige Veränderungen, aber auch wir müssen uns in Zukunft überlegen, in der Struktur schlanker zu werden», befürchtet Wittwer.
Trotz dieser Herausforderungen ist er überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein: «Wir haben ganz klar die grösste, breiteste und differenzierteste Badeferienpalette in der Schweiz.»
Chris Probst



