Wir sind als letztes GDS in der Schweiz eingestiegen – heute sind wir Marktführer (Ausgabe 2014-14)

Amadeus Schweiz wird 20 Jahre alt. General Manager Cornel Küng blickt auf die Entwicklung von Amadeus und der Technologie-Branche zurück und wagt einen Blick in die Zukunft.

20 Jahre Amadeus Schweiz – was waren die Highlights in dieser Zeit? 

Da gibt es diverse Meilensteine, wie etwa American Express als erster internationaler Grosskunde oder der Umzug in die eigenen Büros nach Zürich. Wichtiger ist für mich aber, dass wir als letztes der damals vier GDS in den Markt eingestiegen sind und es seither kontinuierlich aufwärtsgegangen ist. 


Wie haben sich die Marktanteile der GDS in diesen 20 Jahren denn verändert? 

Galileo dominierte den Markt in unserer Anfangsgeschichte, wobei Sabre bereits zuvor im Markt vertreten war und in der Hochblüte ca. 20 % Marktanteil hatte. Heute ist Amadeus gemessen an den Flugsegmenten Marktführer, global und auch in der Schweiz. Der Abstand zu Galileo ist zwar gering, aber der Wechsel an der Spitze fand letztes Jahr statt.


In den 20 Jahren hat sich die Technologie rasant entwickelt. Was waren die wichtigsten Meilensteine? 

Mit dem Durchbruch des Internets haben sich natürlich signifikante Änderungen ergeben. Früher haben wir Hardware geliefert, teure Datenleitungen. Das ist hinfällig geworden, genauso wie webbasierte Applikationen die Disketten und CDs ersetzten. Das Web 2.0 und Web 3.0 bringt den Konsumenten in eine machtvollere Stellung. Und Big Data ermöglicht heute eine neue Dimension an Cachelösungen mit Funktionen wie z. B. der offenen Suche. 


Wie hat Amadeus darauf reagiert? 

Die wichtigste Weichenstellung war der Entscheid zur Diversifizierung vom reinen CRS zu einem breit aufgestellten IT-Anbieter. Heute sind wir auch Weltmarktführer als Airline-IT-Anbieter, und wir expandieren in neue Geschäftsfelder wie Hotel-IT oder Rail-IT. In dieser Sparte für Neugeschäft sehen wir global Geschäftsmöglichkeiten von annähernd USD 10 Mia. – allen voran im Hotelbereich, aber auch in der Travel Intelligence, also in der Analyse und Beratung unserer Kunden. Heute bieten wir also nicht mehr nur reine Buchungstransaktionen an, sondern betrachten die Reise ganzheitlich – von der Inspiration bis zum Sharing.


Was hat die Gründung von Traveltainment Schweiz im Jahr 2010 verändert? 

Mit Traveltainment können wir nun auch den touristischen Markt ansprechen, also die Veranstalter, OTAs und Leisure-Reisebüros, denen wir Lösungen zum Vertrieb von Badeferien anbieten. Kernprodukte sind neben der Internet Booking Engine und den Hotelbewertungen inzwischen auch unsere Lösungen zur dynamischen Pa-ketierung, die beispielsweise von X-Helvetic Tours genutzt werden.


Dazu bieten Sie eine Reihe von Zusatz-«Goodies» für Reisebüros wie etwa die Social Media Suite an. Wie affin sind die Reisebüros für solche Produkte? 

Gerade bei der Social Media Suite ist das Potential in der Schweiz sehr klein. Es gibt nur wenige Reisebüros oder Veranstalter, die mehrere Social-Media-Kanäle aktiv nutzen, und erst dann käme der Vorteil unseres Produkts zum Tragen. Daneben haben wir aber Goodies wie Offers, Fax and E-Mail Plus oder den Ticket Changer, die sehr rege benutzt werden. 

Amadeus spricht die verschiedensten Kundengruppen an. Gibt es da Verschiebungen oder Trends? 

Im GDS-Gesamtmarkt gewinnt der Online-Kanal, insbesondere die OTAs. Leicht rückläufig sind die Travel Management Companies, wobei es sich hier um globale Accounts handelt. Erstaunlich stabil ist die Summe der GDS-Segmente der kleinen Reisebüros, obwohl die Anzahl Büros in diesem Segment schrumpft. Eine mögliche Erklärung wäre, dass sie mehr Mikro-Touroperating betreiben und dazu Flüge übers GDS buchen.

Und wo liegen die Trends bei den Produkten?

Uns fällt auf, dass grössere Kunden immer häufiger massgeschneiderte Lösungen wünschen. Sie sehen den Einsatz von Technologie als Differenzierungsmöglichkeit im Markt. Das betrifft unter anderem den Bereich Business Intelligence, aber auch den MICE-Bereich, wo eine automatische Organisation von Veranstaltungen gewünscht wird. Die weiteren Trends sind generell bekannt: Big Data, Mobile, User Generated Content …

Stichwort User Generated Content: Wohin geht da die Reise?

Traveltainment hat heute über eine Million «Trusted Reviews» und nutzt diese aktiv in sämtlichen Lösungen. Und wir haben bereits erste Pilotkunden, welche die Bewertungen auch in unserer Firmenkundenlösung AeTM nutzen – User Generated Content kommt auch ins Geschäftsreisesegment. Aktuell sind zudem Überlegungen im Gange, ob Reviews auch bei weiteren Leistungsträgern einen Nutzen für die Reisenden bringen könnten.

Eine weitere Herausforderung dürfte die IATA-Initiative NDC sein. 

NDC ist sicher ein grosses Thema, aber noch sind wesentliche Aspekte offen – etwa, wie das kommerzielle Geschäftsmodell aussieht. Mit NDC würde die Anfrage direkt bei der Airline statt beim GDS stattfinden. Aber jemand muss die Inhalte immer noch Airline-übergreifend darstellen und Vergleichbarkeit herstellen. Das ist die Rolle der GDS. 

Viele Start-ups beschäftigen sich mit Aktivitäten und Touren an der Zieldestination. Auch bei Amadeus ein Thema?

Wir hatten sogar ein solches Produkt, Activities & Entertainment genannt. Es wurde von der Branche extrem schwach genutzt und deshalb wieder eingestellt. Die Reisenden entscheiden sich für solche Aktivitäten offenbar erst vor Ort. Aber ja, wir beschäftigen uns zurzeit auch mit diesem Bereich.

Stefan Jäggi