WM 2010: Emirates verärgert TO (Ausgabe 2010-14)

Eine exklusive Kooperation mit dem deutschen Veranstalter Dertour gibt zu diskutieren.

In den letzten Wochen flatterten bei Schweizer Reisebüros E-Mails von
Emirates in die Mailbox. Darin wurden für den Verkauf von
«WM-Packages», also Reisen an die Fussball-WM in Südafrika mit Flug,
Unterkunft und mindestens einem Match-Ticket, 10% Kommission in
Aussicht gestellt.
Pikant daran: Die Emirates-Packages werden in der Schweiz exklusiv
durch den deutschen Veranstalter Dertour vertrieben. Obwohl in der
Schweiz Stohler Sports Live, Travelclub Bern und TUI Suisse von der
FIFA bzw. der Gesellschaft Match Event Services als offizielle
TO-Partner designiert wurden.

Die Aktion von Emirates löst Erstaunen aus, zumal die WM-Organisatorin
FIFA strenge Auflagen beim Verkauf der WM-Tickets hat. Im Vertrag
zwischen der FIFA und den PTO («Participating Tour Operator») steht,
dass nur ein akkreditierter PTO in einem Land WM-Packages verkaufen
darf und dass ausländische TOs im betreffenden Land nicht für ihre
Packages werben dürfen.
Bei Dertour winkt Produktleiter Tom Rostek ab: «Alle im
Emirates-Katalog angebotenen Leistungen sind von Emirates im eigenen
Namen und auf eigenes Risiko eingekauft worden. Dertour tritt für diese
Reisen unter anderem in der Schweiz gegenüber dem Endkunden als
Reiseveranstalter und Fulfilmentpartner auf, d. h. Dertour übernimmt
die Buchungsabwicklung und das Inkasso für Emirates. Zwischen Dertour
und Emirates wurde ein Vertrag abgeschlossen, der von der FIFA in Bezug
auf den Verkauf in den vereinbarten Ländern, also auch in der Schweiz,
akzeptiert wurde.»

Diesen Sachverhalt bestätigt Andrea Patterson, Teamleiterin bei Match
Event Services: «Emirates wurde als voll akkreditierter PTO für die
Schweiz akzeptiert. Den PTO steht es offen, Unteragenten für den
Verkauf und Vertrieb ihrer Angebote anzustellen. Die versandten E-Mails
wurden von Match und von der FIFA geprüft und gutgeheissen.» Emirates
hat also aus FIFA-Sicht nicht illegal gehandelt; ausserdem habe Match
von den anderen Schweizer PTO nichts gehört in Sachen Emirates/Dertour.

Stellt sich die Frage, weshalb Emirates in der Schweiz nicht mit einem
Schweizer PTO kooperiert bzw. warum diese konkurrenziert werden. Dazu
Jürg Müller (Emirates Area Manager Switzerland): «Emirates hat weltweit
WM-Packages geschnürt und aus logistischen Gründen
jeweils regionale TO-Partner erkoren. Für die deutschsprachigen Länder
entschied man sich in Dubai für Dertour. Selbstverständlich wurde alles
mit der FIFA bzw. der Match AG abgesprochen.»

Trotzdem sind die drei anderen Schweizer PTO sauer. Rolf Weber (Stohler
Tours) erklärt: «Es ist enttäuschend, dass ein Airline-Partner zum
Konkurrenten wird. Eine vorgängige Information über dieses
Zusammengehen mit einem deutschen Partner hätte ich schon erwartet.
Ausserdem hätte es doch mehr Sinn gemacht, wenn Emirates die Angebote
von einem oder allen Schweizer PTO partnerschaftlich genutzt hätte. Es
ist klar, dass wir uns jetzt nach anderen Flug-Prioritätspartnern für
WM-Packages umsehen.»

Roland Schmid (TUI) meint: «Wir sind über diese Aktion nicht glücklich.
Wir haben das Gespräch mit unseren Ansprechpartnern aufgenommen. Unsere
Geschäftsbeziehungen mit Emirates werden durch die Aktion aber nicht
beeinflusst.» Beim Travelclub winkt Victor Tinari ab: «Jede Konkurrenz
ist ernst zu nehmen. Wir sind jedoch der Meinung, dass der grösste Teil
der WM-Reisenden ihre Reise nach Südafrika bereits gebucht hat.» Was
nicht gut wäre, denn alle Schweizer PTO geben an, dass der Absatz der
WM-Packages bislang sehr schleppend oder gar «enttäuschend» verlief.
Jean-Claude Raemy