Überschätzt. Armin Meier, CEO
von Kuoni, musste zwar nicht völlig überraschend aber dennoch recht
abrupt seinen Tisch räumen. Ob er noch eine goldene Abfindung
kassierte, wird sich im kommenden Geschäftsbericht herausstellen.
Tatsache ist, dass der 49-jährige Berner von der Migros kommend, wo
er Logistik und IT führte als Manager an der Spitze von Kuoni
offensichtlich nicht genügte. Meier, der seit Februar 2005 als oberster
Kuoni Chef amtete, war in letzter Zeit zunehmend unter Druck geraten.
Seine Qualitäten lagen offenbar zu einseitig in der Kommunikation, er
gilt als begnadeter PR-Mann auch in eigener Sache, jedoch nicht als
wegweisender Führer. Beobachter behaupten, er sei überschätzt worden,
sei ein Blender, smart und mit Stil, aber zu wenig entscheidungsfähig
in der Sache. Offenbar konnte er sich auch innerhalb der
Konzernleitung, die er selber zusammengestellt hatte, nicht mehr als
der grosse Bigboss behaupten. Die Kritik an ihm drang immer lauter nach
aussen, der Verwaltungsrat musste also handeln. Bei der geplanten
Fusion zwischen Kuoni und First Choice, die im Sommer 2006 an die
Öffentlichkeit geriet, hatte sich Meier erfolgreich für die
Unabhängigkeit des Unternehmens gewehrt. Daraufhin musste sogar
VR-Präsident Andreas Schmid seinen Hut nehmen, weil sich die
Konzernleitung gegen ihn gestellt hatte. Was damals als Stärke des CEO
Meiers interpretiert wurde, entpuppt sich zunehmend als «Verdienst»
seiner Kollegen in der Konzernleitung.
Unterschätzt. Der seit 12
Jahren amtierende CFO Max Katz, der nun als Sprecher der Konzernleitung
quasi die Geschäfte bei Kuoni interimistisch führt, wird wohl zu
Unrecht unterschätzt. Der gewiefte Finanzmann erfindet sich zunehmend
auch als Touristiker. Ganz offensichtlich wird er von seinen Kollegen
im ohne Meier noch vierköpfigen Executive Board (Konzernleitung) als
Chef akzeptiert. Momentan glauben die vier, den Kuoni-Betrieb gut
im Griff zu haben. Die rasche Nachfolge Meiers wird jedenfalls nicht
als oberste Priorität gefordert. Interessanterweise haben die beiden
immer wieder genannten Kronprinzen auf die Nachfolge Meiers, Stefan
Leser und Reto Wilhelm, ihre Ambitionen auf die Führung abgemeldet,
zumindest vorläufig.
Spekulationen über die Nachfolge.
Bei den Spekulationen über die Nachfolge des neuen Kuoni-Chefs gibt es
sowohl eine personelle, als auch eine konzeptionelle, strategische
Komponente.
Personell: Es werden bereits einige Namen herumgeboten, wie
beispielsweise Heinz Karrer, heutiger VR von Kuoni und CEO von Axpo.
Karrer hatte als CEO von Intersport kurz eine touristische Berührung
mit der Airtour Suisse. Die Namen von Peter Fankhauser (Thomas Cook)
und Thomas Stirnimann (Travelhouse) geistern durch die Neue Hard. Diese
beiden dürften jedoch kaum zur Verfügung stehen oder allenfalls in die
Auswahl des Kuoni-VR kommen. Ein absolut interessanter Name ist
derjenige von Hotelplan-Konzernchef Christof Zuber. Er verkörpert weit
mehr den typischen Kuoni- als den Migros/Hotelplan-Drive, landete aber
nur kurz nach der Kuoni-Ernennung des Migros-Managers Armin Meier
ausgerechnet bei der Reisetochter der Migros, dem Kuoni-Widersacher
Hotelplan.
Strategisch: Wohin führt der Weg von Kuoni? Glaubt man den Gerüchten,
so werde Kuoni mit dem Club Med vereint und vom Club Med Grossaktionär
Richelieu geschluckt. Andere wiederum glauben, Thomas Cook werde sich
Kuoni einverleiben. Ein Szenario, welches zunehmend für Gespräch sorgt,
ist dasjenige einer Übernahme von Kuoni durch Hotelplan, respektive
Migros. Hier würde eine grosse Schweizer Lösung entstehen, die
international Synergien schaffte, aber das Schweizer Problem des
Massengeschäftes nicht à priori lösen würde. Vielleicht musste Meier
deshalb gehen, weil er einer Fusion, in welche Richtung auch immer, im
Wege stand. Vielleicht kann man dem VR auch glauben, der den
Mitarbeitenden suggerierte, Kuoni wolle ein eigenständiges,
unabhängiges Unternehmen bleiben.
Smart und/oder Style: An der eingeleiteten Strategie wolle der
Verwaltungsrat gemäss Präsident Henning Boysen grundsätzlich
festhalten. Damit meint Kuoni wohl die Transformation der Gruppe in die
Geschäftsfelder Destinations (Incomingbereich), Smart (Massengeschäft)
und Style (Individualgeschäft). Die Umgestaltung der bislang Länder
geführten Organisationen in Grossbritannien und der Schweiz stiess und
stösst noch auf interne Probleme, auf Verunsicherung. Meier führte hier
offenbar zu wenig rigoros. Offenbar ist die Unterteilung in Smart und
Style in der Schweiz auch nicht so einfach umzusetzen wie in der
Theorie.
Nichtsdestotrotz hat der neue Chef für die Schweiz und Nachfolger von
Roberto Luna, Stefan Leser, vor wenigen Tagen ein neues
Organisationspapier präsentiert. Die Leitung des Tour Operatings (Smart
und Style) verbleibt bei Marianne Häuptli, der Bereich Services
(Business Support) wird von Thomas Burkhart geführt. Die
Spezialistenfirmen werden von Urs Bellmont und die Edelweiss Air wie
gehabt von Karl Kistler geleitet. Gesucht wird anscheinend auf oberster
Kaderstufe ein neuer Leiter Sales & Marketing, dem wiederum der
Vertrieb (Retail), das Marketing, E-commerce und Direct Sales
unterstellt sind. Im Kästchen Sales & Marketing wird der Name
Stefan Leser geführt, aber die Leute bei Kuoni gehen davon aus, dass
dieser Posten neu besetzt wird. Überhaupt, so mutmassen einige
Kuoni-Insider, sei auch dies vermutlich ein vorübergehendes Organigramm.



