Die irische Aer Lingus hat Ende August schlechte Halbjahreszahlen 2009
präsentiert. Der Umsatz im Passagierverkehr sank zwischen Januar und
Juni im Vergleich zum Vorjahr um 15,7% auf 451,6 Mio. Euro. Im
Langstreckenverkehr war der Umsatzwegfall mit 27,9% besonders stark.
Dies führte zu Gerüchten, Aer Lingus werde den Langstreckenverkehr
einstellen, was aber in Dublin umgehend dementiert wurde.
Die Lage ist dennoch ernst. Bei einem Konzernumsatz von 555 Mio. Euro
musste die Airline einen Verlust von 73,9 Mio. Euro hinnehmen. Das
zuletzt erfolgreiche Tiefpreismodell im Europaverkehr leidet, sowohl
unter Nachfragerückgang als auch unter der harten Konkurrenz von
Ryanair. Ebenfalls aufgekommene Gerüchte, Aer Lingus wolle künftig im
Europaverkehr wie Ryanair ab kleineren, weniger zentralen und dafür
günstigeren Flughäfen verkehren, wurden nur halbwegs dementiert. Der
Entscheid stehe noch aus, hiess es in Dublin.
Diese (und weitere) schwierige Entscheidungen hat Christoph Müller zu
treffen. Der krisenerprobte frühere Swissair- und Sabena-Manager leitet
seit September die Geschicke von Aer Lingus.
Beim Airlinecenter in Zürich, dem Vertreter von Aer Lingus in der
Schweiz, wartet man die kommenden Wochen ab. Geschäftsführer Thomas
Welti jedenfalls zeigt keine Anzeichen von Nervosität: «Zurzeit sieht
alles normal aus, wir rechnen mit einem Winterflugplan, der gegenüber
dem Vorjahr unverändert ist.»
Natürlich spüre Aer Lingus auch in der Schweiz die Krise, doch Welti
bleibt gelassen: «Die Dublin-Verbindungen haben gelitten, aber weniger
schwer als ab anderen Destinationen in Europa. Und der im April
lancierte Flug ZürichLondon läuft sogar richtig gut, genau wie unser
Geschäft ab Genf und allgemein das Web-Business.»
Zuversicht dürften überdies sehr gute Augustzahlen mit deutlich
wachsenden Passagierzahlen verbreiten. Die Erholung lebt
allerdings vom Tiefpreismodell. Aer Lingus ist weiterhin
mit extrem attraktiven Preisen im Europaverkehr am Markt und baut
weiter Kapazität im Interkontinentalverkehr ab. Allerdings müssen die
Iren auch schauen, dass die Preise irgendwann auf ein vernünftiges Mass
angehoben werden, damit sie wieder in die Gewinnzone zurückfinden.
Ansonsten bleibt wirklich nur das Ryanair-Modell, welches niemand beim
stolzen irischen National Carrier will.



